Würzburg – Der Würzburger Bischof Franz Jung hat sich von den Unterschriftenaktionen für einen wegen sexuellen Missbrauchs verurteilten Priester distanziert. „Die Aktionen konterkarieren in bizarrer und skandalöser Weise das Bemühen des Bistums Würzburg um Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs“, teilte Jung mit.
Die Mitglieder der Gemeinde in Bad Bocklet (Kreis Bad Kissingen) hatten Unterschriften für den Geistlichen gesammelt, der wegen sexuellen Missbrauchs an einer früheren Ministrantin verurteilt worden war. Sie wollten damit erreichen, dass der Bischof sich für den Priester einsetzt, damit dieser sich wieder kirchlich engagieren darf. „Die Organisatoren und Unterzeichner der Aktionen fordere ich auf, das Urteil und das Leid der Betroffenen zu akzeptieren und Tatsachen nicht zu verdrehen“, betonte Jung. Der Priester werde definitiv nicht mehr in die Pfarreiengemeinschaft zurückkehren. Das Amtsgericht Bad Kissingen hatte den Deutschen im vergangenen August zu einem Jahr und vier Monaten Haft verurteilt. Die Strafe wurde auf drei Jahre Bewährung ausgesetzt.
Die Ministrantin hatte sich nach eigenen Angaben vor etwa zehn Jahren in den früheren Kaplan verliebt, dieser hatte sie aber urückgewiesen. Später kam es doch zu Annäherungen. Weil das Mädchen damals aber unter 14 war, verurteilte das Gericht den Mann wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes. mm/lby