München – Der Chef des Realschullehrerverbands, Jürgen Böhm, ist der Kurs des Kultusministeriums gelinde gesagt suspekt. Dass das Ministerium jetzt die Wiederaufnahme des Sportunterrichts an den Schulen empfehle, findet der Niederbayer nicht richtig. Er könne davon „bei im Moment steigenden Infektionszahlen“ nur „dringend“ abraten, schreibt er in einer Mitteilung. Und noch ein Problem hat der ehemalige Realschul-Direktor: Er verstehe nicht, dass die Schüler nun in den Klassenzimmern während der Unterrichtszeit unter Anleitung der Lehrer getestet werden sollen. „Auf keinen Fall“ dürfe das geschehen. Die Infektionsgefahr sei hoch. Es gebe unzählige Fragen, sagt auch der Münchner Chef des BLLV und Grundschulrektor, Martin Schmid. Können Erstklässler den Selbsttest wirklich selbst durchführen? Wer erstellt die Einverständniserklärungen der Eltern? Wie werden die gebrauchten Selbsttests entsorgt?
Noch ist es nicht so weit. Nur wenige Schulen in Bayern konnten gestern zum Schulstart Selbsttests anbieten. 100 Millionen der Tests hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vergangene Woche versprochen, elf Millionen sollen schon an die Kommunen ausgegeben worden sein. Allerdings: Die Auslieferung verzögert sich. „Nein, sind bisher nicht angekommen“, lautet zum Beispiel gestern die Auskunft beim Landratsamt Miesbach. „Sollen angeblich morgen Nachmittag ankommen, aber das glauben wir erst, wenn sie da sind.“ Das führt zu viel Frust bei Schulleitern (siehe Kasten). „Nur ein Zehntel der versprochenen Schnelltests ist angekommen, an manchen Schulen gar keiner“, berichtet Pankraz Männlein, Landesvorsitzender des Verbandes der Lehrer an beruflichen Schulen. Er nennt das „unverantwortlich“. Die Gesundheitspolitikerin der Grünen im Landtag, Christina Haubrich, spricht von „Hoppla-Hopp“. Hinzu kommt die unklare Situation beim Impfen – zumal gestern noch der Impfstoff von Astrazeneca ausgesetzt wurde. Mit ihm sollten auch die Lehrer geimpft werden.
Das Kultusministerium versuchte gestern, die Lehrer zu beruhigen. „Nach den Osterferien“ würden die Schnelltests „Standard“, so ein Sprecher. Er verteidigt auch die Strategie, dass sich alle Schüler in der Schule testen – und nicht etwa zuhause. Nur dann habe man die Kontrolle. Auf die Durchführungsbestimmungen, die das Gesundheitsministerium erlässt, wartet das Schulministerium indes selbst noch. Dennoch ist das Haus von Minister Michael Piazolo (FW) optimistisch: „Die Durchführung der Selbsttests in den Schulen ist sicher eine Herausforderung, wird aber – wie das Beispiel Österreich zeigt – sicher rasch zur Routine.“