Sind die Schulöffnungen riskant oder vertretbar? Ein Schulleiter im Zwiespalt

von Redaktion

Am Tag danach ist ihm der Wirbel etwas unangenehm. Er wolle sich gar nicht mehr über seine Sätze äußern, sagt Tobias Schreiner, Leiter der Realschule Gmund am Tegernsee. Und er hoffe, dass sich der Wirbel bald legt. Rückgängig zu machen sei es ja nicht mehr.

Einen Tag vor der Rückkehr zum Wechselunterricht hatte Schreiner auf Twitter seinem Frust Luft gemacht – als Privatmann, wie er betont. Doch die Sätze machten sehr bald die Runde. „Als Schulleiter werde ich alles tun, um den Unterricht in der angeordneten Form so angenehm und sicher zu gestalten wie möglich“, hatte Schreiner geschrieben. Und angefügt: „Als Vater habe ich heute für meine eigenen Kinder einen Antrag auf Unterrichtsbefreiung gestellt, weil ich im Schulbesuch ein zu hohes Risiko sehe.“

Als der Tweet unter vielen Eltern und Lehrern zirkulierte, schob Schreiner einige Erklärungen nach. Er verstehe ja „absolut das Bedürfnis nach Schulöffnungen“. Und die Rückkehr zum regelmäßigen Schulbesuch sei „dringend“ notwendig – „aus verschiedenen Gründen“. Mit geeigneten Vorsichtsmaßnahmen sei der Schulbetrieb auch gut machbar. Nur: „Wir haben an vielen Orten weder Lüftungsanlagen, noch FFP2-Masken, noch Tests oder Impfungen.“ Daher halte er es für legitim, dass Eltern ihr Kind zu Hause ließen – wenn ihnen das Risiko zu groß ist.

Der Tweet von Schreiner löste eine Bugwelle an Reaktionen aus, fast 10 000 reagierten mit einem „Gefällt mir“. Am Nachmittag löschte Schreiner seinen Twitter-Account. Eine Erklärung für den Frust: Am Freitag hatte das Landratsamt Miesbach erklärt, dass sich die Lieferung von Schnelltests weiter verzögere. „Der Termin wurde schon mehrfach verschoben.“ Auch die Realschule in Gmund am Tegernsee hatte gestern noch keine Tests erhalten.  dw

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