Weniger Braugerste

von Redaktion

Der Anbau wird für Bayerns Bauern immer unrentabler

München – Auf den Feldern in Bayern steht die Aussaat des Sommergetreides an. Möglicherweise wird sich auch in diesem Jahr ein Trend fortsetzen, der schon seit Jahren zu beobachten ist: Ausgerechnet im Bierland Bayern wird immer weniger Braugerste angebaut.

In den 1980er-Jahren bauten Bayerns Bauern noch auf mehr als 300 000 Hektar Sommergerste an. Im Jahr 2009 waren es nur noch 125 500 Hektar – und 2020 nach Zahlen des Landwirtschaftsministeriums gerade einmal rund 95 000 Hektar. Heuer könnte der Wert noch einmal zurückgehen: Der Braugersten-Markt sei aktuell von großen Unsicherheiten geprägt, teilte ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums mit: Das Geschäft der Brauereien sei wegen der geschlossenen Gaststätten rückläufig, das werde sich vermutlich deutlich auf die Anbauplanung für Sommergerste auswirken.

Für viele Landwirte ist der Anbau von Braugerste schon seit Jahren nicht mehr rentabel. Die Bauern verlören „die Lust auf den Anbau von Sommergerste“, sagte Getreide-Referent Anton Huber vom Bayerischen Bauernverband (BBV). Sie setzten inzwischen auf Alternativen wie Dinkel, Hafer oder Soja. „Der Anbau von Braugerste ist immer mit einem gewissen Risiko verbunden“, sagte Huber. Denn erreiche die Braugerste nicht die geforderte Qualität – etwa beim Proteingehalt –, sei sie nur noch als Futtergerste vermarktbar. Das bedeutet Einbußen für den Bauern. Dabei hat der Landwirt viele Faktoren nicht selbst in der Hand: Braugerste reagiert auf Witterungseinflüsse sensibler als viele andere Getreidearten.

Dennoch dürfte noch in sehr vielen Fässern und Flaschen bayerischen Bieres heimische Braugerste verarbeitet sein: Es gelinge den bayerischen Mälzereien, ihren Bedarf zu einem hohen Prozentteil mit Getreide aus Bayern oder den umliegenden Bundesländern zu decken, sagte der Geschäftsführer des Mälzerbunds, Michael Lerch. „Die bayerischen Mälzereien schätzen die Kompetenz der bayerischen Braugetreideerzeuger.“ Bayern sei weiter das bedeutendste Anbaugebiet für Braugerste in Deutschland. KATHRIN ZEILMANN

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