Deggendorf – Eine junge Frau emanzipiert sich von ihrem rasend eifersüchtigen, kontrollierenden Partner und geht zunehmend ihren eigenen Weg. Als die Trennung bevorsteht, eskaliert die Situation: Der 29-Jährige sticht mit einem Küchenmesser vor den Augen des gemeinsamen Kindes so lange auf die Frau ein, bis sie stirbt. Gestern ist der Afghane vor dem Landgericht Deggendorf wegen Mordes zu einer lebenslangen Haft verurteilt worden.
Als der Vorsitzende Richter Georg Meiski den Gewaltexzess auf einem Supermarkt-Parkplatz im niederbayerischen Plattling schildert, fließen bei den Angehörigen des Opfers die Tränen. Der Verurteilte schluchzt neben seinem Dolmetscher sitzend. Der Vorsitzende Richter zeichnete das Bild eines Mannes, der seine Parterin komplett zu kontrollieren versuchte, stets nach Anzeichen für Untreue suchte und reichlich Alkohol trank. Die Frau wollte die Trennung, suchte sich eine neue Wohnung. An jenem Tag im August 2020 fuhr die 20-Jährige auf den Parkplatz, wo ihr Freund einen Döner-Imbiss betrieb, um mit ihm zu reden. Dabei war es dann zum Streit gekommen, der mit dem Tod der Frau endete.
„Grauen, Schmerz und Leid sind unendlich“, sagte Meiski. „Die Mittel des Rechtsstaates und des Strafrechtes sind es nicht.“ Was vorab an Prävention und Schutz versäumt worden sei, lasse sich mit Strafe nicht nachholen. Das Geschehene lasse sich nicht rückgängig machen und bleibe ein nicht wiedergutzumachender Verlust.
Dem Urteil nach handelte der Afghane aus niederen Beweggründen. Der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer am Freitag auch das Mordmerkmal der Grausamkeit als gegeben gesehen und zudem die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld gefordert. Dem kam die Strafkammer nicht nach. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. lby