Bayerns Sehnsucht nach den Volksfesten

von Redaktion

VON LARA LISTL

München – Das Festbier war gebraut, die Schausteller waren bereit – und dann kam Corona. Vergangenes Jahr sind fast alle Volksfeste in Bayern wegen der Pandemie abgesagt worden. Nur die Stadt Rosenheim hat ihr Starkbierfest noch stattfinden lassen – entgegen der Empfehlung des Gesundheitsamts. Drei Tage später musste es abgebrochen werden. Rosenheim wurde zu einem Corona-Hotspot. Inwieweit das Starkbierfest die Corona-Lage beeinflusst hat, ist unklar.

Dieses Jahr fiel das Fest im März ersatzlos aus. Im Lockdown sind Großveranstaltungen jeder Art verboten. Doch für die kommenden Monate tun sich die Volksfest-Veranstalter mit den Planungen schwer. Viele hoffen noch, dass durch Impfungen und Tests bald wieder große Feste möglich sein werden. „Wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass das Rosenheimer Herbstfest stattfinden kann“, sagt Mitveranstalter Klaus Hertreiter. Rosenheim blickt bei der Entscheidung auch nach München. Die Landeshauptstadt will frühestens Mai, spätestens Juni entscheiden, ob die Wiesn in diesem Jahr stattfinden kann. Rosenheim möchte über das Herbstfest bis spätestens Anfang Juni entscheiden.

Die Sehnsucht nach den Volksfesten ist überall in Bayern groß. Besonders für Veranstalter, Festwirte und Schausteller ist die Lage kritisch. Ihnen fehlen seit einem Jahr die Einnahmen. Doch die Entscheidung ist alles andere als einfach: Wirte und Hoteliers erhoffen sich Umsätze, eine Absage der Volksfeste wäre für sie bitter. Die Veranstalter wollen kein Risiko eingehen, dass es zu neuen Corona-Hotspots kommt. Und gleichzeitig hoffen sie noch, dass wieder etwas Lebensfreude möglich sein wird. „Eine gewisse Chance besteht noch, dass das Oktoberfest stattfinden kann“, sagt Münchens Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner. Auch Josef Schuster, der Veranstalter des Indersdorfer Volksfestes im Landkreis Dachau, hat diese Hoffnung noch – er schätzt die Chance aber geringer ein. „Es sieht leider nicht gut aus“, sagt er. Denn das Volkfest findet traditionell Anfang Mai statt. Die Vorbereitungen laufen seit September. „Am schwierigsten bei der Planung ist die Ungewissheit. Es ist einfach kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen“, sagt Schuster. Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen, das Fest könnte auch in den Herbst verschoben werden. Auch das für April geplante Münchner Frühlingsfest ist verschoben worden, der Termin steht noch nicht fest.

Andere Veranstalter haben ihre Volksfest-Pläne bereits auf Eis gelegt. Das für April geplante Puchheimer Volksfest (Kreis Fürstenfeldbruck) ist wie im Vorjahr ersatzlos gestrichen worden. Ismaning (Kreis München) hat die im Juli geplante Festwoche bereits im Februar abgesagt, und die Fürstenfeldbrucker verschieben ihr Volksfest vom Frühling in den Herbst. Auch das Nürnberger Frühlingsfest ist abgesagt. Stattdessen arbeitet die Stadt an einem Konzept für einen temporären Freizeitpark. Ohne Bierzelt, mit umfangreichem Hygienekonzept und Fahrgeschäften.

Endgültig abgesagt ist das Rosenheimer Sommerfestival. Doch dafür gibt es eine alternative Idee: ein Strandkorb-Open-Air im August. Das Festivalgelände wird in Urlaubsinseln unterteilt, es werden 450 Strandkörbe für jeweils zwei Personen aufgebaut. Jan Delay und die Band Fury in the Slaughterhouse haben schon zugesagt.

Wie auch die Stadt München will Dachau keine abgespeckte Volksfestvariante veranstalten. Bierzelte, in die nur noch 200 statt 2000 Gäste dürften, die sich an Einbahnstraßen- und Abstandsregelungen halten müssten, möchte sich Kulturamtsleiter Tobias Schneider gar nicht vorstellen. „Dem finanziellen und organisatorischen Mehraufwand stehen geringere Einnahmen gegenüber“, sagt Schneider. Die Stadt will Ende April entscheiden.

Veranstalter Josef Schuster aus Indersdorf hat sich für den Fall, dass sich die Absage nicht vermeiden lässt, schon einen Trost überlegt: Das frisch gebraute Festbier wird heuer in Flaschen abgefüllt und über Getränkemärkte verkauft. Zusätzlich plant Schuster auch den von der Festwirtsfamilie Bandl erfundenen Lieferservice „Bierzelt dahoam“ anzubieten. Schon 2020 lieferten die Brandls Bier, Masskrüge, Schnaps, zünftige Brotzeit und Bierzelt-Hits ins Haus. Alles für das Volksfest-Gefühl daheim.

Artikel 2 von 11