SO SCHAUT’S AUS!

Erfahrene Propheten warten erst mal die Ereignisse ab

von Redaktion

VON MANFRED SCHAUER, DEM SCHICHTL VON DER WIESN

In neun Monaten haben wir den Jahreswechsel knapp vor und Weihnachten hinter uns. Vorbei ist dann auch die frohe Erwartung auf Novemberhilfen wie auch auf eine erhöhte Geburtenrate. Außerdem er- und überlebt haben wir eine Regierung, jede Menge Verbote, zu wenig Angebote und keine Wiesn. Die Schulkinder sind weitgehend, Kraft ihrer Jugend, nicht komplett demoralisiert, viele Eltern mangels Nerven und Perspektiven aber schon.

Das Geschäftsmodell mit dem Hundeverleih hat sich nicht durchgesetzt, das Gassi gehen aber zum Alibi ergo Breitensport entwickelt. Die Sommerferien waren nach viel Blabla so lala und Pfingsten plus Ferien, mit gewissen Duldungen beziehungsweise Vorboten zu Verboten, erträglich. Die letzten Mallorca-Urlauber vom März/April sind knapp der Ächtung entgangen und zum Tag der Arbeit aus der Einzelhaft entlassen worden.

Ein Vorschlag von mir: Liebe Leute, wenn das Rausgehen schon nicht mehr so einfach geht, geht in euch, da habt ihr es nicht so weit. „Wo nichts sicher ist, ist alles möglich“, sagte Johannes Keppler vor rund 400 Jahren!

Und dazu ein Blick in die nahe, visionäre Vergangenheit: Ostern wird eine sehr individuelle Veranstaltung gewesen sein, wahrscheinlich nicht nur für den Papst. Das Eiersuchen wird auch heuer ein Privileg der jüngeren Kinder bleiben. Wobei die dicksten Eier diesmal schon aus Berlin recht professionell unters Volk gebracht worden sind. Ich halt es sogar für möglich, dass der O-Hase wegen eventueller Ausgangssperre heuer gar nicht raus darf. Auch einen Kompromiss, dafür die Karnickel an den Start zu lassen, sehe ich eher nicht. Gut möglich, dass der Versandhandel die österlichen Gaben unters Volk bringt. Da würd es mich dann nicht wundern, wenn stellvertretend die Zusteller, sonst eher von Eile getriebene, vorüberhuschende Wesen, zeitgemäß im Bunny-Kostüm aus ihren Lieferautos hüpfen.

Viele verstehen Deutsch zu wenig, die Deutschen noch weniger und die Welt schon gar nicht mehr. Bemalte Eier im Frühling zustellen lässt böseste Ahnungen zur Vorweihnachtszeit aufkommen. Die Werbung reagiert prompt und auch weiterhin unter zunehmendem Verlust der Muttersprache: „Come out and find in“ würde die kontaktarme Übergabe der Ostergaben in spe am ehesten definieren. „Make sale, not love“. „Dieses Angebot gilt aber nur bis Mother’s Day!“ Wie umgehen mit dem Karfreitag? Bloody oder Black Friday wohl eher nicht. Vielleicht Black Eggs, das Family-super-Oster-Angebot!

Man darf kaum davon ausgehen, dass damit die Eier vom Stör angeboten werden sollen und es sich im Wortsinn auch nicht um angemalte Eier handelt. Schwarze Eier zum Feste, weil uns die Fröhlichkeit abhandengekommen ist. Passt doch. Ich will jetzt den Hasen nicht an die Wand malen, aber vielleicht wird ja alles ganz oder gar nicht anders. Ich seh einen Silberstreifen, weiß bloß noch nicht, zu welchem Horizont er gehört.

PS: Der Osterhase streunt am Ostersonntag und Montag durchs Gefilde, am Karfreitag ist es das Karnickel, was die Namensgebung der beiden Langohren eindeutig erklärt. Das Kopulationsergebnis ist dann ein Karhase oder Osternickel? Habe die Ehre, Manfred Schauer

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