München – Am 26. September endet in Deutschland eine Ära: Mit der Bundestagswahl verabschieden sich die Deutschen auch von ihrer Kanzlerin. Angela Merkel, die erste Frau in diesem Amt, hat fast 16 Jahre lang dieses Land regiert. Eine ganze Generation kennt nur sie an der Spitze der Regierung. Wie Adrian. Als er zehn Jahre alt war, fragte er seine Mutter: „Sag mal Mama, können Männer eigentlich auch Kanzlerin werden?“ So berichtet es Andrea Taubenböck, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung Werte Bündnis Bayern. Diese Frage ihres Sohnes ist nun als Titel eines Buches verewigt, das das Wertebündnis im Verlag Elisabeth Sandmann herausgegeben hat. Das vor elf Jahren gegründete Bündnis, dem 197 Organisationen angehören, hat sich zum Ziel gesetzt, junge Menschen zum Nachdenken über Wertefragen anzuregen, mit ihnen zu diskutieren und sie zum Handeln zu ermuntern.
Mit dem Buch will die Stiftung junge Menschen motivieren, über die Demokratie nachzudenken – und das im Jahr einer weichenstellenden Bundestagwahl. 36 Autoren – von Landtagspräsidentin Ilse Aigner über Schauspieler August Zirner, Starkoch Alfons Schuhbeck und Kabarettist Christian Springer, aber auch jugendliche Geflüchtete – erklären in munterer, aber auch ernsthafter Form, was ihnen Demokratie bedeutet. „Demokratie ist anstrengend, fordernd, komplex“, heißt es im Vorwort von den Vorständen der Stiftung, Max Schmidt, langjähriger Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbands, und Andrea Taubenböck. „Aber sie ist jede Strapaze wert, davon sind wir überzeugt. Sie gewährt uns Freiheit, Rechtssicherheit, Menschenrechte.“
Die Autoren beschreiben, was gut läuft in der Demokratie, wo es hakt, was sich ändern muss und wohin der Weg ihrer Meinung nach führen muss. So schlägt VdK-Präsidentin Verena Bentele vor, soziale Berufe aufzuwerten. „Wir müssen den Einstieg in soziale Berufe attraktiver machen.“ Sie stellt sich ein gutes Marketing für neue Berufswege vor, wünscht sich mehr Stellen für Freiwilligenarbeit (mit höherem Taschengeld), damit junge Menschen sich begeistern können für soziale Arbeit.
Valentina Quittenbaum ist 15 Jahre alt und lebt mit ihrer Familie am Starnberger See. Der Beitrag der Schülerin besticht durch seine eindringlichen Worte. Valentina hat von einem großen Zeugnis der Nächstenliebe profitiert: Als Elfjährige erlitt sie durch eine Infektion ein Nierenversagen und erhielt eine Spenderniere. Seitdem kann sie ein fast normales Leben führen. Sie will sich dafür einsetzen, dass sich mehr Menschen als Organspender registrieren lassen. Sie schreibt aber auch, wie schwierig das Leben ist, „wenn man nicht perfekt ist“. Valentina fühlt sich noch immer als Außenseiter. Ihr Text ist ein eindrucksvoller Appell für mehr Toleranz.
Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) setzt auf Toleranz und Respekt – gerade, um sich Hass und Hetze entgegenzustemmen. „Wer blind vor Hass und Verblendung ist, wer Extremisten und andere Randalierer, die unser Gemeinwesen zerstören wollen, nicht ächtet, sondern sich mit ihnen gemein macht, zieht sich aus der demokratischen Debatte zurück.“ Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit und Menschlichkeit seien eine immerwährende Aufgabe: „Wir tragen Verantwortung dafür, sie zu wahren, zu verteidigen und weiterzugeben.“
Eigentlich wollte das Wertebündnis mit den Autoren auf Lesereise gehen, Corona machte einen Strich durch die Rechnung. Jetzt planen Stiftung und Verlag Online-Lesungen (www.wertebuendnis-bayern.de).
Können Männer auch Kanzlerin werden?
herausgegeben von der Stiftung Wertebündnis, 128 S., Elisabeth Sandmann Verlag, 18 Euro.