München – Das Amtsgericht in Weilheim hat ein Schulkind der Realschule Schlehdorf (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) von der Maskenpflicht in der Schule befreit. Das Familiengericht ordnete in dem Beschluss gestern an, dass die Schulleitung dem Kind nicht mehr das Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung auf dem Schulgelände vorschreiben darf. Es handelt sich allerdings um eine Einzelfall-Entscheidung, wie eine Sprecherin des Gerichts betonte.
Vor Gericht gezogen waren die Eltern des Kindes. Das Verfahren wurde von einer Familienrichterin geführt, die über eine mögliche Kindeswohlgefährdung durch die Masken zu entscheiden hatte. Das sah das Gericht als gegeben an, das Kind hatte erklärt, unter Kopfschmerzen und Übelkeit zu leiden, wenn es die Maske längere Zeit tragen müsse. Die Richterin bezog sich bei der Entscheidung auch auf Professor Christof Kuhbandner von der Universität Regensburg. Der Psychologe hatte bereits in der Vergangenheit auf mögliche negative Nebenwirkungen für Schüler hingewiesen.
Grundsätzlich wird durch die Gerichtsentscheidung aber nicht die entsprechende Verordnung gekippt. Denn für eine solche rechtliche Überprüfung wäre nicht das Amtsgericht zuständig, sondern die Verwaltungsgerichte. Auch das Bayerische Kultusministerium betonte gestern, dass es sich um eine Einzelfallentscheidung handle, die keine Auswirkungen auf andere Schulen habe.
Inzwischen können sich in Bayern nun auch Landtagsabgeordnete mit Astrazeneca impfen lassen, wenn sie über 60 Jahre alt sind. Grundlage dafür ist die geänderte Coronavirus-Impfverordnung des Bundes. „Wir müssen die dritte Welle abflachen – und die Impfungen sind entscheidend dafür“, sagte Landtagspräsidentin Ilse Aigner. „Jede liegen bleibende Dosis verlängert die Pandemie unnötig.“ Der Landtag wolle dazu beitragen, die Skepsis gegenüber dem Impfstoff von Astrazeneca abzubauen. Die Impfungen für die Abgeordneten werden vom Landtag organisiert und bei der Bereitschaftspolizei in direkter Nachbarschaft des Maximilianeums durchgeführt.
Im Landkreis Weilheim-Schongau gibt es Astrazeneca-Stau: Drei Tage lang gibt es im Impfzentrum in Peißenberg ausschließlich Astrazeneca-Impfungen – und dafür noch hunderte freie Termine. Die Priorisierungen werden dort aber nicht aufgehoben. Stattdessen soll der übrig gebliebene Astrazeneca-Impfstoff in der kommenden Woche an die Hausärzte abgegeben werden. Auch in Dachau lehnten viele Über-60-Jährige, für die Astrazeneca freigegeben wurde, den Impfstoff ab, berichtet Landrat Stefan Löwl. Er sprach von rund 15 bis 20 Prozent.
Im Corona-Hotspot Hof haben die Impfungen für alle ab 18 Jahre begonnen. 4000 Menschen aus der Region sollen mit einem Sonderkontingent des Astrazeneca-Vakzins geimpft werden. Seit Freitag können sich alle Erwachsenen im Hofer Land unabhängig von Vorerkrankungen oder Beruf für eine Impfung anmelden. Alle Termine sind bereits vergeben. Die Nachfrage war so groß, dass der Server des Landkreises zeitweise überlastet war. müh/set/no/lby