STEPHAN MÜLLER-WENDLANDT
Muss ich mich als Corona-Leugner schimpfen lassen, wenn ich den Umgang der deutschen Politik mit der Pandemie in Grund und Boden verteufele? Wahrlich nicht. Tagtäglich offenbaren Spahn und Co. ihre Unfähigkeit, schlüssige und tragfähige Konzepte auf den Tisch zu legen sowie einheitliche Strategien im Kampf gegen das Virus und seine Mutationen anzugehen und einzuhalten. Aus der Vielzahl der misslungenen Maßnahmen seien nur zwei erwähnt.
Impfversprechen: Die in den späten Wintertagen gegebene Zusage, ab April werde so viel Impfstoff zur Verfügung stehen, dass bis zum Sommer ausreichend Menschen für eine Herden-Immunität geimpft seien, bricht jetzt wie ein Kartenhaus zusammen. Warum? Weil der Anbieter Johnson & Johnson seine Lieferzusage für sein Vakzin nicht einhalten kann. Es war ein unredliches Versprechen: Ende Februar, Anfang März waren solche Prognosen mehr als unseriös, weil für das Präparat des US-Pharmazeuten eine Zulassung der zuständigen EU-Behörde längst nicht in Sicht war. Daraus folgt: Das nun heraufbeschworene Szenario einer vierten Corona-Welle für den Herbst schürt einmal mehr die Verunsicherung in der Bevölkerung.
Impfstoff: Sehenden Auges und durch eigenes Zutun hat die Politik Astrazeneca ins Abseits gestellt als ein Vakzin zweiter Klasse. Dabei sind die bekannt gewordenen Nebenwirkungen des britisch-schwedischen Produkts erwiesenermaßen um ein Vielfaches geringer als die vieler anderer, schon seit Jahrzehnten im Handel erfolgreicher Arzneien. Die Entscheidung, Astrazeneca ab 19. April nur noch in Arztpraxen verabreichen zu lassen, ist ein weiterer Dolchstoß für dieses Vakzin. Sollen sich doch die Hausärzte mit dem Unmut der Impfpatienten herumschlagen. Wie Pilatus waschen unsere Gesundheitspolitiker ihre Hände in Unschuld.
„Etwas ist faul im Staate Dänemark.“ Mit dieser Feststellung bringt in Shakespeares Drama „Hamlet“ Marcellus seinen Freund, den Prinzen von Dänemark, auf die richtige Spur. Heute müsste dieser Satz lauten: „Etwas ist faul im Staate Deutschland.“ Wir haben die Pflicht, den gewählten Volksvertretern auf die Finger zu klopfen – das Volk ist schließlich der Souverän.
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