Der Notruf für Männer

von Redaktion

Telefon-Hotline für Opfer häuslicher Gewalt wird ausgeweitet

München – Es ist ein Leid, das meist hinter verschlossenen Türen geschieht: Häusliche und sexualisierte Gewalt. In der Regel sind es Frauen, die von aktuellen oder ehemaligen Partnern geschlagen, missbraucht, gedemütigt oder in sonstiger Form an Körper und Seele verletzt werden. Doch auch Männer können Opfer sein. In bis zu 20 Prozent aller Fälle, so die Schätzungen, sind sie Leidtragende und Frauen die Angreiferinnen. Ein Tabuthema, das sich nicht mit dem immer noch vorherrschenden Bild des starken Mannes verträgt. Hilfsangebote setzen deshalb auf Anonymität, so wie die bundesweite Telefon-Hotline „Gewalt an Männern“, deren Betreiber gestern nach rund einem Jahr Bilanz gezogen haben.

Die Hotline samt Online-Beratung ist seit dem Start vor rund einem Jahr in mehr als 1800 Fällen um Hilfe gebeten worden. Bezogen auf die Öffnungszeiten entspreche das 6 bis 9 Anrufen pro Tag, bei steigender Tendenz, ergab eine Bilanz des von Bayern und Nordrhein-Westfalen betriebenen Angebots. 35 Prozent der Anrufe kamen aus NRW, 18 Prozent aus Bayern, die anderen aus dem Rest Deutschlands. „Das neue Unterstützungsangebot für von Gewalt betroffene Männer wurde sehr schnell angenommen – entgegen den Befürchtungen und Vorurteilen, dass Männer keine Hilfe suchen würden“, sagte NRW-Gleichstellungsministerin Ina Scharrenbach (CDU). Bayerns Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) sprach von einer Lücke im Hilfesystem, die dieses Angebot geschlossen habe.

Gut drei Viertel der Anrufer waren bis zu 50 Jahre alt. 85 Prozent der Betroffenen litten unter psychischer Gewalt, 53 Prozent unter körperlichen oder sexualisierten Übergriffen. 70 Prozent der Männer waren laut Trautner in einer akuten Gewaltsituation, 19 Prozent hatten als Kinder oder Jugendliche Gewalt erfahren. Übergriffig wurden laut Bilanz vor allem aktuelle oder ehemalige Partnerinnen.

Als Reaktion auf die steigende Nachfrage ist die Hotline schon ab 8 Uhr morgens erreichbar. Zudem soll eine Kampagne in den sozialen Medien starten, um Männer auf das Angebot aufmerksam zu machen.

Das Männerhilfetelefon

ist erreichbar unter der 0800/123 99 00 sowie per E-Mail unter beratung@ maennerhilfetelefon.de. Erreichbarkeit: Montag bis Donnerstag 9 bis 13 Uhr und 16 bis 20 Uhr, Freitag 9 bis 15 Uhr. Für Frauen gibt es schon seit 2013 eine eigene bundesweite Hotline unter 08000/ 11 60 16.

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