Die Kandidatin in den Startlöchern

von Redaktion

Ilse Aigner unterstreicht ihre Qualifikation als mögliche bayerische Ministerpräsidentin

München – Diesen Auftritt hat sie sich nicht nehmen lassen. Eineinhalb Stunden vor der wichtigen CSU-Präsidiumssitzung an diesem denkwürdigen Montagvormittag eilt Landtagspräsidentin Ilse Aigner in den Münchner Presseclub. Zum Thema „Krisenstimmung in Bayern“ soll die CSU-Politikerin befragt werden. Das Thema könnte nicht besser passen an diesem Tag, an dem ein Countdown zur Entscheidung in Fragen der Kanzlerkandidatenschaft der Union läuft.

Im schicken Kostüm in CSU-Blau und mit strahlendem Lächeln stellt sich Aigner gut gelaunt den Fragen der Journalisten. Nur ihre perfekt manikürten Hände verraten ihre Anspannung: Mal gefaltet, dann wieder übereinandergelegt, um im nächsten Moment mit gespreizten Finger in die Luft zu schnellen. Aigner nutzt den Auftritt, um ihre grundsätzliche Bereitschaft für das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten deutlich zu machen, ohne sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen.

Falls, ja falls der amtierende Ministerpräsident Markus Söder zum Kanzlerkandidaten der Union bestimmt werden sollte, falls die Union bei den Bundestagswahlen gewinnt und falls nach möglichen Koalitionsverhandlungen ihr langjähriger Konkurrent dann wirklich Angela Merkels Nachfolger werden würde, dann steht Aigner bereit. Sie vermeidet eine klare Aussage, aber unterstreicht mehrfach ihre Qualifikation für das Amt. Sie habe als Bundesministerin, bayerische Staatsministerin, stellvertretende Ministerpräsidentin und als Landtagspräsidentin gearbeitet, sagt sie. Und schiebt hinterher: „Es gibt nicht allzu viele, die einen solchen Erfahrungsschatz von München über Berlin bis Brüssel haben.“ Trotzdem: „Jetzt klären wir erst einmal die K-Frage in zweierlei Hinsicht.“ Die Kandidatenfrage und dann die Kanzlerfrage. Die Antwort auf die erste Frage könnte noch an diesem Abend die CDU geben, denn Söder legt die Entscheidung wenig später in die Hände der Schwesterpartei.

Gefragt nach den Gefahren des Machtkampfs zwischen CDU und CSU vergleicht Aigner das mit Familienstreitigkeiten: „Ich habe auch drei größere Schwestern. Ich weiß, wovon ich rede. Da ruckelt’s auch mal hin und wieder. Aber dafür geht man danach wieder geschlossen an die Aufgaben.“ Das Beste, was versöhnen könnte, sei eine erfolgreiche Wahl. „Und da hoffe ich drauf.“ Aber sie bemängelt, dass die Union es versäumt habe, ein Verfahren zur Gestaltung der Kandidatenfindung festzulegen. „Das dürfte die Lehre für das nächste Mal sein.“ Die Frage nach dem Vorwurf, Söder verfolge sein Ziel mit brachialer Gewalt, beantwortet Aigner, die 2018 im CSU-internen Streit um die Nachfolge von Ministerpräsident Horst Seehofer aus dem Wettstreit mit Söder ausgestiegen war, ausweichend: Bei den guten Umfragewerten der letzten Woche könne sie nachvollziehen, dass er den Anspruch für die Union insgesamt angemeldet habe.

Ihr größter Wunsch? Ilse Aigner atmet tief durch. Wartet einen Moment und antwortet ganz im Stil einer Landesmutter: „Mir geht es da wie vielen anderen auch: Ich habe den Wunsch, dass wir hoffentlich die dritte Corona-Welle bald brechen und wieder in ein normaleres Leben zurückkommen.“  cm

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