Schönau – Der Königsbachfall stürzt über mehrere Gumpen rund 70 Meter in die Tiefe. Er ist ein Naturjuwel – und eine begehrte Foto-Kulisse. Immer wieder baden in den Gumpen Besucher. Vor zwei Jahren kamen dabei zwei 21-Jährige aus Sachsen ums Leben. Hunderte Instagram-Fotos später will der Nationalpark Berchtesgaden den Bereich für Besucher sperren lassen. Doch der Gemeinderat in Schönau stellt sich geschlossen gegen ein Betretungsverbot. „Ich habe die Befürchtung, wenn man mit einer Sperre anfängt, könnten weitere folgen“, erklärt Bürgermeister Hannes Rasp (CSU) die Entscheidung.
Der Nationalpark würde gerne ein 30 Hektar großes Areal sperren. In großen Teilen in unwegsamen Gelände rund um das Ufer des Königssees. Das Terrain würde auch eine große Hangfläche von der Rabenwand bis zum Königssee umfassen – also jenen Bereich, auf den sich an schönen Tagen teils hunderte Besucher aufhalten. Dort liegt auch die Gumpe, die eine Art naturbelassener Infinity-Pool ist und deshalb so beliebt bei fotografierenden Besuchern oder Influencern, die ihre Bilder danach in sozialen Medien posten. Dadurch ist der eigentlich sehr versteckte und naturschutzfachlich wertvolle Ort abseits des offiziellen Wegenetzes immer bekannter geworden, wie eine Sprecherin des Nationalparks berichtete. Und mit den Besuchern kamen die Probleme: Die Zahl der Ausflügler, die auf nicht ausgewiesenen Wegen das Gebiet erkundeten, stieg sukzessive. Bis die Nationalparkleitung eingriff und den Abschnitt sperrte. Nun soll per Verordnung ein dauerhaftes Betretungsverbot verhängt werden.
Bürgermeister Hannes Rasp fürchtet, dass sich durch eine Sperrung das Problem verlagern könnte – und weitere Sperrungen folgen würden. Denn schöne Orte gibt es im Nationalpark viele: den Obersee, die Eiskapelle, die Halbinsel St. Bartholomä. Deshalb fordert Rasp eine bessere Öffentlichkeitsarbeit. „Es wäre besser, einen Ranger zu platzieren, der Aufklärungsarbeit leistet“, sagt der Gemeindechef. Der Nationalpark hatte in der Vergangenheit mehrfach Ranger abgeordnet, die an ausgewählten Orten Besucher informierten. Ob das eine dauerhafte Lösung für das Areal entlang des Königssees ist, muss sich noch zeigen. Von Betretungsverboten mit möglichen Strafen hält Rasp auf jeden Fall nichts.
Das sehen die Gemeinderäte in Schönau ähnlich. In der jüngsten Sitzung gab es Kritik an den Bestrebungen des Nationalparks. Das Problem sei hausgemacht, hieß es. Mit Aufklärungsarbeit hätte man schon deutlich früher beginnen müssen. Die Gemeinderäte plädieren aber für eine gute Zusammenarbeit mit dem Nationalpark, in den jährlich rund 1,3 Millionen Besucher strömen und der unter Urlaubsgästen häufig als Grund für einen Besuch der Region angegeben wird. Einig sind sie sich, dass gehandelt werden muss. Es dürfe zu keinen weiteren Unfällen kommen. In der Vergangenheit hatten Besucher zudem immer wieder Müll in der Natur zurückgelassen.
Nun soll die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt entscheiden, ob eine Verordnung erlassen wird. Die Gemeinde kann bei dieser Entscheidung nur sehr bedingt Einfluss nehmen. Sie wird angehört und kann eine Stellungnahme zu dem Thema abgeben. Noch ist völlig offen, ob und wann über ein Betretungsverbot entschieden wird. VON KILIAN PFEIFFER