25-jährige Studentin leitet die EKD

von Redaktion

Hannover/Regensburg – „Mein Handy explodiert gleich.“ Mit diesen Worten bedankte sich Anna-Nicole Heinrich am Samstag per Twitter für die Gratulationen zu ihrer Wahl zur Synodenpräses der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Überraschend wählte das Kirchenparlament die 25-jährige Studentin Heinrich an die Spitze, die damit die jüngste Präses in der Geschichte ist. Wie ihre prominenten Vorgängerinnen Katrin Göring-Eckardt und Irmgard Schwaetzer sitzt sie nun auf Augenhöhe mit dem Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm, der die Entscheidung als „historisch“ bezeichnete. Dass das Amt der Synodenpräses nun von einer „ganz starken 79-jährigen“ auf eine „ganz starke 25-jährige Frau“ übergeht, sei wahrscheinlich einmalig in der Geschichte der Institutionen in Deutschland.

Heinrich studiert im Master Philosophie und arbeitet bei der stellvertretenden Frauenbeauftragten der Universität Regensburg. Zum Glauben kam sie „eher durch Zufall als durch Verstand und Sozialisation“, wie sie sagt. Ihre Eltern gehörten keiner Kirche an, über den Religionsunterricht kam sie in Kontakt zu einer evangelischen Gemeinde, dann wurde sie getauft.

Sie wurde stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend und Jugenddelegierte in der vorhergehenden Synode, und bei der ersten digitalen Synodentagung im November gehörte Heinrich zu den Organisatoren, gab technische Hilfe.

Sie vertritt selbstbewusst die Anliegen der Jüngeren, fordert Offenheit für neue Formen von Gottesdienst – auch digital. Kirche als Ort könne „mehr als nur Gottesdienst am Sonntag um zehn“. Sie könne vielfältig genutzt werden „zum Spaß haben, zum Treffen mit anderen Leuten, zum thematischen Auseinandersetzen oder einfach mal, um Ruhe zu suchen“. Außerdem legte sie nach dem Kirchentag in Dortmund 2019 ein klares Bekenntnis für die Seenotrettung ab.

Heinrich rief in ihrer Vorstellungsrede die Synodalen auf, sich „raus aus der Bubble“ zu bewegen – eine Anspielung auf das in der Kirche oft beklagte Schwimmen im eigenen Saft. In im November verabschiedeten Leitsätzen spricht sich die evangelische Kirche dafür aus, sich mehr zu öffnen in die Gesellschaft mit Formaten, die auch kirchlich nicht gebundene Menschen ansprechen, und für Allianzen mit anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen. Heinrich wirbt für eine „optimistische Perspektive hinaus in die Weite“, wenngleich sie begleitet sein werde „von Sparmaßnahmen, Rückbau und Umbau“. „Als Präses möchte ich für eine hoffnungsvolle, integrierende und pragmatische Kirche stehen“, sagte sie.  epd

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