München – „Hebammen – unter allen Umständen für dich da“ steht auf den gelben Aufklebern geschrieben, die jetzt an Autoscheiben, Türen zu Kreißsälen und Praxiseingängen kleben. Mit diesen Zeichen wollen die bayerischen Hebammen sich und ihre tägliche Arbeit sichtbar machen, wie Mechthild Hofner, Vorsitzende des bayerischen Hebammenverbands, das ausdrückt. „Normalerweise hätten wir zum Welthebammentag am 5. Mai Demonstrationen und Versammlungen organisiert“, sagt Hofner. „Aber wegen der Corona-Pandemie ging das nicht.“ Nun sollen die Aufkleber für Aufmerksamkeit sorgen.
Die Situation der rund 4000 Hebammen in Bayern beschreibt die Verbandsvorsitzende als dramatisch. „Wir haben einen eklatanten Mangel an Hebammen“, sagt Hofner. Dies sei vor allem in den Metropolregionen zu spüren, in denen werdende Mütter Probleme hätten, eine Hebamme zu finden, die sie im Kreißsaal unterstützt.
Der Verband fordert deshalb seit Langem, gerade in der Geburtshilfe die Arbeitsbedingungen der Hebammen zu verbessern. „Oft sieht die Realität so aus, dass sie zwischen drei oder sogar mehr Frauen ständig hin und herwechseln muss“, sagt Hofner. „Von einer individuellen Geburtshilfe, wie wir sie eigentlich leisten können und wollen, sind wir immer noch weit entfernt.“
Auf 120 bis 190 Geburten im Jahr kommt eine Hebamme in Bayern im Durchschnitt. Der Verband möchte diese Zahl auf 80 Geburten reduzieren und kämpft damit auch für einen besseren Personalschlüssel in den Krankenhäusern. Gleichzeitig, betont Hofner, müsse die Vergütung erhöht werden. „Wir alle machen diesen Beruf nicht, um reich zu werden, aber wir sollten angemessen bezahlt werden und davon leben können.“
Eine weitere Forderung des Verbands betrifft Nachbesserungen bei der Akademisierung. Seit Anfang 2020 müssen künftige Hebammen ein Bachelor-Studium absolvieren. Nicht abschließend geklärt ist jedoch die Vergütung aller anfallenden Ausbildungskosten, die den Krankenhäusern entstehen. „Wir hatten deshalb in Bayern schon den Fall, dass eine Hochschule weniger Studierende annehmen konnte, weil die Praxisplätze fehlten“, sagt Hofner.
Auch die Gleichstellung der Abschlüsse liegt ihr am Herzen. „Es darf innerhalb unseres doch kleinen Berufsstands keine Zwei-Klassen-Gesellschaft geben“, sagt Hofner. Vom Verband gibt es deshalb den Vorschlag, nicht-studierten Hebammen die Möglichkeit zu geben, über ein Weiterbildungsmodul zu wissenschaftlichem Arbeiten den Bachelor-Grad zu erreichen. „Wir sprechen hier mitunter von langjährig tätigen Hebammen, die wir auch für die Lehre brauchen“, sagt Hofner. „Sie dürfen nicht benachteiligt werden.“
BEATRICE OSSBERGER