Kirchentag im Netz gefangen

von Redaktion

Drittes Ökumenisches Christentreffen findet fast nur im Internet statt

München/Frankfurt – Elf Jahre ist es her, dass der 2. Ökumenische Kirchentag in München über 130 000 Menschen angezogen hat. Als großer Erfolg wurde das ökumenische Treffen anschließend gefeiert, trotz der damals schon schwierigen Lage der Kirchen war eine Aufbruchstimmung spürbar, die Hoffnung auf Reformen schien ungebrochen.

Jetzt steht der 3. Ökumenische Kirchentag an – doch von einer großen Schar an Gläubigen, die sich um die leibhaftige Teilnahme an Podiumsdiskussionen, Workshops und Bibelarbeit drängeln, kann keine Rede sein. Der 3. ÖKT, der unter dem Motto „Schaut hin“ vom 13. bis 16. Mai in Frankfurt stattfindet, wandert wegen der Pandemie fast komplett ins Internet. Digital und dezentral wird die eigentlich als Großereignis geplante Versammlung ablaufen.

Statt der ursprünglich geplanten mehr als 2000 Veranstaltungen wird es nun etwa 80 geben, beginnend an Christi Himmelfahrt bis Sonntag. Das digitale Programm wird auf der Seite www.oekt.de ausgestrahlt, alle Videostreams können ohne Anmeldung kostenlos abgerufen werden. Soweit es die Corona-Auflagen erlauben, können Menschen aus der Region an einzelnen Gottesdiensten teilnehmen.

Trotz der organisatorischen Schwierigkeiten wollen die evangelischen und katholischen Gastgeber Zeichen setzen. Sie möchten deutlich machen, dass sie sich um den Zusammenhalt der Gesellschaft, um soziale Gerechtigkeit und weltweite Solidarität kümmern, erläuterte der Limburger Bischof Georg Bätzing, der auch Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz ist. Sie wollten das Signal aussenden, dass „sie für ein Gottes- und Menschenbild einstehen, das wichtig für die aktuellen Debatten ist“.

Im Wahljahr lässt sich die Politprominenz nicht nehmen, sich auf digitalen Veranstaltungen zu äußern. Am Samstag diskutiert Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit der Klima-Aktivistin Luisa Neubauer von „Fridays for Future“. Die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock nimmt am selben Tag an einer Diskussion über Schöpfung und Klimakrise unter anderem mit dem Münchner Sozialethiker Johannes Wallacher teil. Ihr CDU-Konkurrent Armin Laschet stellt sich um 13 Uhr im Kirchentags-Studio einer Livediskussion über „Solidarität in der Corona-Pandemie“. Bundesfinanzminister Olaf Scholz, Kanzlerkandidat der SPD, äußert sich um 16 Uhr im Livestream bei einer Diskussion zur Frage „Wer zahlt die Rechnung der Corona-Pandemie?“ Erstmals kommt Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg zu einem Christentreffen nach Deutschland und diskutiert mit Friedensforschern über „Friedenssicherung in einer unsicheren Welt“. Die einzigen Veranstaltungen, an denen begrenzt Teilnehmer dabei sein können, sind die verschiedenen konfessionellen Gottesdienste am Samstagabend sowie der Schlussgottesdienst am Sonntagvormittag, zu dem auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kommen wird.

Pikant ist: Bei den Gottesdiensten am Samstagabend dürfen Teilnehmer auch an Mahlfeiern der jeweils anderen Konfession teilnehmen, wenn sie dies mit ihrem Gewissen vereinbaren können. Das war im Vorfeld kontrovers diskutiert worden. Der Vatikan hatte dieser Praxis seine Ablehnung erklärt. Damit riskieren vor allem die katholischen Organisatoren, neben dem Zentralkomitee auch das Bistum Limburg mit Bischof Bätzing an der Spitze, einen Konflikt mit Rom. Dieses Angebot darf aber nicht missverstanden werden: Es könne es keine Interzelebration, also eine gemeinsame Feier einer heiligen Messe durch Geistliche verschiedener Konfessionen, keinen generellen, konfessionsübergreifenden Empfang der Eucharistie (Interkommunion) und keine neuen Formen von eucharistischen Feiern geben, betonte Bischof Georg Bätzing in einem Brief an die Priester seines Bistums. CLAUDIA MÖLLERS

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