Pfingsturlaub mit Hindernissen

von Redaktion

VON C. SCHRAMM, A. MAYR UND F. BOGNER

Grainau – Mit Beginn der Pfingstferien rechnen Bayerns Ausflugsregionen mit großem Ansturm. In Grainau (Kreis Garmisch-Partenkirchen) sieht man sich dem kaum gewachsen, zumindest was die Testkapazitäten betrifft. „Wir werden am Samstag von rund 3000 Touristen überfallen“, sagt Bürgermeister Stephan Märkl (CSU). Die Gemeinde am Fuße der Zugspitze hat nur 3400 Einwohner. Die Wasserwacht und das BRK testeten hier bisher ehrenamtlich. Die Grainauer sorgen sich nun, wo fortan all die Hotelgäste alle 48 Stunden getestet werden sollen. Während Märkl versucht, private Anbieter für weitere Teststationen zusätzlich zu denen in der Kreisstadt zu finden, überlegt der Betreiber des Grainauer Campingplatzes bereits, seine Gäste beim Schnelltest vor Ort selbst zu beaufsichtigen. „Aber mach das mal für 700, 800 Leute“, stellt Märkl klar.

Der Kreis Miesbach wäre für Ausflügler gerüstet: Wer Kurs auf das Tegernseer Tal nimmt, könnte sich in Holzkirchen im Schnelltestzentrum sogar aus dem Auto heraus testen lassen. Das Ergebnis wird auf das Handy geschickt, sodass die Gäste am Tegernsee direkt ein Restaurant besuchen können. Da die Inzidenz aber noch bei 127 liegt, ist das im Moment nur alles graue Theorie.

Alles andere als das erwartet Christina Pfaffinger, Leiterin des Chiemsee-Alpenland Tourismus. Im Landkreis Rosenheim liegt die Inzidenz stabil unter 100. Außengastronomie, Hotels, Chiemsee-Schiffe und Bergbahnen haben für Ausflügler pünktlich zum Ferienbeginn geöffnet. Für das Schloss Herrenchiemsee brauchen Besucher eine Voranmeldung, aber keinen Test – weil Schiffe als öffentliche Verkehrsmittel gelten. Wer aber mit der Zahnradbahn auf den Wendelstein fahren möchte, benötigt einen Negativ-Test. Bergbahnen gelten nicht als öffentliche Verkehrsmittel. Florian Vogt, Geschäftsführer der Wendelsteinbahn, fehlt dafür jedes Verständnis. Er hat noch ein Problem: Während die Zahnradbahn ab Brannenburg (Kreis Rosenheim) am Freitag wieder fährt, steht die Seilbahn still. Ihre Talstation liegt bei Bayrischzell und damit im Hotspot-Landkreis Miesbach. Mit dieser Grenzziehung hadert auch der Wirt des Wendelsteinhauses, das Ausflüglern nur Getränke und Essen zum Mitnehmen anbieten kann – sofern er laut Vogt überhaupt öffnet.

„Für die Zahnradbahn gilt die 3-G-Regel: Unsere Kassenhäuschen sind doppelt besetzt. Ein Mitarbeiter kontrolliert, der andere verkauft Karten“, sagt Vogt. Und weil es in Brannenburg nur eine Teststation gibt und alle Apotheken bloß mit Anmeldung testen, sollte man sein Testergebnis am besten von Zuhause mitbringen. Auch die Chiemseer Tourismus-Chefin Pfaffinger meint: „Bei uns gibt es 60 Testzentren. Wöchentlich kommen neue dazu. Wer sich vor Ort testen lassen will, sollte trotzdem Wartezeiten einplanen.“ Einige Hotels haben sich Selbsttests angeschafft, die die Gäste unter Aufsicht an der Rezeption durchführen können, erklärt sie.

Auch in Bad Tölz-Wolfratshausen werden wieder Übernachtungsgäste erwartet. Dabei sind Lenggries und der Isarwinkel mit Testzentren gut aufgestellt. Die Region um Kochel- und Walchensee aber nicht, sagt Daniel Weickel, Leiter des Tourismus im Zwei-Seen-Land. „Wer mit der Herzogstandbahn fahren will, sollte schon von daheim einen Test mitbringen – vor Ort können keine Selbsttests beaufsichtigt werden.“ Auch bei Hütten und Almen sollte man sich vorab informieren: Die beliebte Jocheralm in Jachenau etwa besteht auf einen Negativ-Test, weil an den großen Tischen immer mindestens zwei Hausstände platziert werden müssen.

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