München – Bettina Cornean betreibt in München das Nachhilfeinstitut „Die Mathleten“. Gleich nach Ende der Mathe-Abiturprüfung am Dienstag gegen 14 Uhr ging es los, berichtet sie. Besorgte Eltern, Schüler und auch Lehrer riefen an, berichteten über Probleme mit den Aufgabenstellungen. Cornean, die auch Mathematik-Dozentin ist, rechnete die Aufgaben selbst nach. Und stellte hinterher fest: „Es war schwieriger als die Jahre zuvor.“
„Muss das sein?“, fragte sie sich. Die Schüler hätten doch so viel durchgemacht. Wechselunterricht, Probleme im Homeschooling, die lange Zeit nicht funktionierende Lernplattform Mebis – die Liste ließe sich fortführen. In einer Petition auf der Plattform change-org fordert Bettina Cornean „eine faire Anpassung des Notenschlüssels“. Bis gestern Abend hatten über 21 000 Personen eingetragen – viele mit verärgerten Kommentaren in Richtung Kultusminister Michael Piazolo (FW) wie diesem hier: „Es macht mich als Vater wütend, mit welcher Gleichgültigkeit das Kultusministerium einerseits Höchstleistungen von unseren Abiturienten verlangt bei gleichzeitigem eigenen Versagen an allen Fronten der Bildung.“ Auch der Instagram-Kanal von Piazolo wurde mit Protesten geflutet.
Michael Schwägerl ist Chef des Bayerischen Philologenverbands und Mathematiklehrer. Er sieht die Diskussion mit Sorge: „Fast reflexartig steigen auch Nicht-Betroffene und die Politik auf den Beschwerdezug auf und heizen die Stimmung weiter an.“ Zwar sei das Mathematik-Abitur „auf keinen Fall geschenkt“ gewesen. Vor allem Geometrie habe den 35 000 Abiturienten viel räumliches Vorstellungsvermögen und mathematisches Denken abverlangt.
Trotzdem sieht Schwägerl die Aufgabenstellungen als „angemessen“ an. In Analysis sei vieles Standard gewesen. Das bestätigt auch Nachhilfelehrerin Bettina Cornean. Die SPD-Abgeordnete Simone Strohmayr will das Mathe-Abi vor den Landtag bringen: Schüler hätten „ein Recht auf Fairness“.
Das Kultusministerium weist daraufhin, dass (nicht näher genannte) Experten das Mathe-Abi als „gut machbar“ eingeschätzt hätten. Es habe außerdem „zahlreiche Sonderregelungen“ für die Abiturienten gegeben, unter anderem 30 Minuten mehr Zeit. Der Kultusminister selbst mahnt zur Gelassenheit. Die Abiturienten sollten „sich nicht aus der Ruhe bringen“ lassen, denn Prüfungen würden „in bewährter Manier“ korrigiert, erklärt Michael Piazolo. Schon 2019 habe es viel Aufregung gegeben, am Ende gab es ein gutes Ergebnis. Das Mathe-Abitur zählt 6,6 Prozent der Gesamtabiturnote. Schreibt man allerdings null Punkte, ist man durchgefallen.