von Redaktion

VON PHILLIP PLESCH

München – Die Corona-Zahlen in München sinken seit Wochen. Auf den Intensivstationen herrscht aber noch der erbitterte Kampf um Leben und Tod. Hoffnung macht ein Spezialgerät.

Ein Eis in der einen Hand, das Handy in der anderen. Dazu die Sonne auf der Haut und ein Lächeln im Gesicht. Martin K. (42, Name geändert) ist aus gutem Grund überglücklich. Nach 70 Tagen in der München Klinik Harlaching durfte er erstmals wieder ins Freie. Er liegt im Bett und ist an eine sogenannte ECMO, eine Herz-Lungen-Maschine, angeschlossen. Die hat ihm das Leben gerettet. Ansonsten hätte er die Infektion mit dem Coronavirus wohl nicht überlebt.

„Mit der ECMO gewinnen wir bei akutem Lungenversagen vor allem Zeit, in der sich die Lunge erholen soll“, erklärt Dr. Michael Findeisen, Oberarzt in der München Klinik Harlaching. Die Herz-Lungen-Maschine übernimmt außerhalb des Körpers, was die gesunde Lunge sonst leistet: die Anreicherung des Blutes mit Sauerstoff und die Entfernung von Kohlendioxid. Sie kommt zum Einsatz, wenn eine künstliche Beatmung mit einem Sauerstoffgerät nicht mehr ausreicht.

Doch bei Martin K. hilft selbst das Spezialgerät zunächst nichts. Nach 30 Tagen an der ECMO ist seine Lunge immer noch zerstört. Die Mediziner sind schier am Verzweifeln. Eigentlich Zeit zum Aufhören, weiß Oberarzt Dr. Markus Engel. „Aber ich wollte diesem jungen Mann nicht sagen, dass wir ihn aufgeben.“

Also kämpfen die Ärzte. Tag für Tag. Und tatsächlich: Die Lunge erholt sich. Martin K. kommt wieder auf die Beine. Nach insgesamt 129 Tagen Behandlungsdauer in der Klinik durfte er vergangene Woche wieder nach Hause.

Sein Schicksal ist kein Einzelfall. In der München Klinik wurden bisher mehr als 20 Patienten an der ECMO behandelt. „Der Bedarf an intensivmedizinischen ECMO-Behandlungsplätzen ist in der dritten Pandemie-Welle noch mal deutlich gestiegen“, sagt Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU). Die Höchststände der ersten und zweiten Infektionswelle lagen bei 40 und 60 belegten ECMO-Plätzen. Seit Ende April bewegt sich die Zahl bayernweit bei etwa 70 Plätzen. Auffällig ist außerdem, dass die Patienten nun zumeist jünger sind – oft zwischen 30 und 50 Jahren alt. Fünf ECMOs sind derzeit in den München Kliniken im Einsatz. Nun wurde ein weiteres Gerät offiziell übergeben.

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