Tirschenreuth/Mühldorf – Vor drei Monaten musste der Tirschenreuther Landrat Roland Grillmeier viel Kritik von seinen Bürgern einstecken. Mit 380 hatte Tirschenreuth im Februar bundesweit die höchste Inzidenz. „Damals wurde mir oft gesagt, dass ich alles falsch mache“, sagte Grillmeier unserer Zeitung. Doch die Stimmung hat sich seitdem geändert. Seit einigen Wochen führt Tirschenreuth die Statistiken in andere Richtung an. Gestern hatte der Landkreis mit 4,2 die bundesweit niedrigste Inzidenz.
Grillmeier erklärt sich das mit den hohen Infektionszahlen im Winter. Weil sehr viele Bürger infiziert waren, sind aktuell viele immun. Dazu kommt eine hohe Impfquote. 43 Prozent der Bürger sind einmal geimpft worden, 18 Prozent zweimal. Tirschenreuth hatte wegen der angespannten Lage und der Nähe zur tschechischen Grenze zeitweise mehr Impfstoff bekommen. Aktuell gibt es im ganzen Landkreis nur sechs Corona-Infizierte. Böse E-Mails bekommt der Landrat schon lange nicht mehr, im Gegenteil: „In den vergangenen Wochen haben mich viele Bürger für das gute Pandemie-Management gelobt“, berichtet er.
Ähnlich wie in Tirschenreuth ist die Situation auch in anderen bayerischen Landkreisen, die einst Hotspot waren. Der Kreis Weiden in der Oberpfalz liegt mit 4,7 nur knapp über Tirschenreuth, in der ehemaligen Corona-Hochburg Wunsiedel in Oberfranken ist die Inzidenz auf 13,8 gefallen. Und der Kreis Mühldorf am Inn, der vor Kurzem mit einer Inzidenz über 200 in Oberbayern noch Spitzenreiter war, ist inzwischen bei 19 angekommen. Auch dort könnte die hohe Zahl der Genesenen mit ausschlaggebend dafür sein, dass aktuell so wenige Menschen infiziert sind. Auch in den anderen oberbayerischen Landkreisen fallen die Zahlen weiter. Nur das Berchtesgadener Land liegt mit einer Inzidenz von 80,2 noch deutlich von der 50er-Marke entfernt. Elf Landkreise im südlichen Oberbayern und die Stadt München liegen nun unter der 35er-Grenze. KATRIN WOITSCH