Immer mehr Gewalt gegen die Polizei

von Redaktion

VON NADJA HOFFMANN

München – Wenn Jakob S. an den 8. Mai 2021 zurückdenkt, hat sich vor allem eine Szene eingebrannt. Der Moment, in dem sich der Mob im Englischen Garten in Position gebracht hat. 200 Männer, teils mit Flaschen in der Hand, teilweise wohl zu allem bereit. „Sie haben einem direkt in die Augen geschaut und dann mit voller Wucht geworfen“, berichtet S. In Kauf nehmend, dass die Polizisten verletzt werden können. „Das ist sehr schwer zu verstehen“, so der der Zugführer der 1. Einsatzhundertschaft.

Er erinnert sich an die Angst, die in ihm hochgekommen ist. Und an die Fassungslosigkeit. Denn eigentlich war die Polizei damals am Monopteros im Einsatz, weil es einen sexuellen Übergriff auf ein Mädchen (14) gegeben hatte. Die für München untypischen Ausschreitungen, die dann folgten und bei denen rund 50 Flaschen geworfen wurden, sind für Polizeichef Thomas Hampel „völlig inakzeptabel“. Er ist bestürzt darüber, dass es zu Angriffen von Unbeteiligten gekommen ist. Dass sich Schaulustige solidarisieren, nur weil es gegen die Polizei ging.

Hass und Gewalt gegen Beamte nehmen zu, die Fallzahlen erreichen neue Höchststände. Das zeigt die Statistik, die das Polizeipräsidium am Donnerstag veröffentlicht hat. Sie enthalte, so Hampel, „erschreckende Zahlen und einen besorgniserregenden Trend“. Demnach wurden 3322 Polizisten im Jahr 2020 Opfer verbaler oder körperlicher Gewalt – 10,6 Prozent mehr als im Vorjahr. 463 Beamte trugen Verletzungen davon. In München stieg die Zahl der Ereignisse auf 1476 (plus 4,8 Prozent), bayernweit wurden 8587 Übergriffe registriert (plus 7,9 Prozent). An der Spitze: Beleidigungen und Spuck-Attacken. Zu Letzteren kam es allein 128 Mal und verstärkt auf den 450 Querdenker-Demos. Angesichts der „massiven Gefahr“, der seine Kollegen durch die Spucke ausgesetzt seien, fehlt Hampel jegliches Verständnis für die Handelnden.

Daie Menschen, die Polizisten angreifen, lassen sich einem klaren Profil zuordnen: Von den 1318 Tatverdächtigen waren fast alle polizeibekannt (89 Prozent), männlich (84 Prozent), erwachsen (78 Prozent) und deutsch (60 Prozent). Mehr als die Hälfte hatte im Vorfeld der Attacken getrunken. Alkohol war auch Thema, als im Englischen Garten die Flaschen flogen. 19 Polizisten wurden verletzt, weil der Zug zunächst keine Schutzkleidung getragen hatte. „Wir sind davon ausgegangen, dass er sich um einen Routine-Einsatz handelt“, erklärt Jakob S. Dass man mit den Menschen sprechen könne. Helm und weitere Ausrüstung sollen aber auch künftig nur griffbereit in den Einsatzwagen liegen. Die Polizei setzt nun vermehrt auf einen Kamerabus, um die Situation am Monopteros besser im Blick zu haben.

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