Ende des Distanzunterrichts rückt näher

von Redaktion

VON DIRK WALTER

München – Mit dem Ende der Pfingstferien könnte der Distanzunterricht für bayerische Schüler erst einmal vorbei sein. Das legen die aktuellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts vom Freitag nahe. Demnach lag den dritten Tag in Folge kein Landkreis und keine kreisfreie Stadt bei Werten über 165 – der Grenze, ab der Distanzunterricht greift. Abgesehen von Memmingen erfüllten damit bereits alle Landkreise die Bedingungen einer mindestens fünftägigen Inzidenz unter 165, die den Abschied vom Distanzunterricht ermöglicht. In Memmingen könnte dies am Sonntag erreicht werden. Entsteht kein neuer Hotspot, wäre der Distanzunterricht in Bayern bis auf Weiteres vorbei.

Die aktuelle Regelung für den Schulbetrieb in Bayern sieht dem Kultusministerium zufolge für den Start nach den Pfingstferien vor, dass bei Inzidenzen unter 50 Präsenzunterricht ohne Abstände erlaubt ist. Zwischen 50 und 165 gilt Wechselunterricht beziehungsweise Präsenzunterricht mit Mindestabstand, wenn die Klassenräume groß genug sind. Über 165 gibt es Distanzunterricht für alle Klassen außer der Jahrgangsstufe 4 und Abschlussklassen. Neu ist: Schüler ab Klasse 5 müssen auf dem Schulgelände eine medizinische OP-Maske tragen, Mund-Nase-Schutz aus Stoff reicht nicht. Bisher war dies nur empfohlen.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat am Donnerstagabend eine weitere Lockerung verkündet, die viel Verwirrung auslöste, aber – wenn die Zahlen weiter sinken – wohl nur theoretischer Natur sein wird. Ab 21. Juni, zwei Wochen nach Schulstart, ist kompletter Präsenzbetrieb ab einer Inzidenz von 100 (bisher 165) erlaubt. „Schul-Fahrplan in Bayern nach Pfingsten“, hatte Söder auf Twitter verkündet. „Wir machen noch zwei Wochen Wechselunterricht und dann ab 21. Juni vollständigen Präsenzunterricht, wo die Inzidenz unter 100 liegt. Das ist eine gute Perspektive.“ Söder vergaß zu erwähnen, dass es beim vollen Präsenzbetrieb bei einer Inzidenz unter 50 bleibt – das korrigierte er drei Stunden später. Da war die Nachricht aber schon in der Welt. „Bitte was?!“, twitterte die Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze. „Erneuter Beleg, dass die Söder-Regierung Kinder zuerst nicht ernst nimmt.“ Mit Schulminister Michael Piazolo (FW) war das alles ohnehin nicht abgestimmt. Der titulierte Söders Ankündigung am Freitag als „Vorschlag“, der freilich ganz in seinem Sinne sei, aber erst noch vom Ministerrat beschlossen werden müsse.

Sinken die Corona-Zahlen weiter, dürften am 21. Juni nicht mehr viele Schüler von Söders Lockerung profitieren. Am Freitag konnten bereits 42 Landkreise eine Inzidenz fünf Tage am Stück unter 50 aufweisen. 27 weitere lagen unter 50, aber erst kürzer. „Ich bin optimistisch, dass schon ab 7. Juni ein Großteil aller Schulen ohnehin wieder im vollen Präsenzunterricht sein wird“, erklärte Piazolo.  (mit dpa)

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