München/Berlin – Wer im Voralpengebiet oder im Allgäu lebt, der ist besonders eng mit seiner Heimat verbunden. Dass diese These weit mehr ist als eine oberflächliche Beobachtung, zeigt eine Studie, die das Bundesinnenministerium in Berlin in Auftrag gegeben hat. Innenminister Horst Seehofer, dessen Ministerium auch das Attribut „Heimat“ im Titel führt, hat von der privaten Jacobs University in Bremen untersuchen lassen, wo in Deutschland die Menschen besonders an ihrer Heimat hängen. Wen wundert’s, dass die Oberbayern, die zwischen dem Irschenberg und der Zugspitze leben, ganz vorn mit dabei sind?
Im Vergleich der Bundesländer allerdings hat das Saarland den höchsten Wert bei der Untersuchung erzielt, bei der 4500 Menschen telefonisch nach ihrem Heimatgefühl unter den Aspekten „Geborgenheit“, „Identifikation“, „Ort und Landschaft“, „Soziale Verwurzelung“, „Geistige Heimat“ und „Abgrenzung“ ausführlich befragt wurden. Bayern belegt hier unter den 16 Bundesländern Platz 5 hinter dem Saarland, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Baden-Württemberg. Das bevölkerungsreiche Nordrhein-Westfalen liegt bei der Heimatverbundenheit auf einem schwachen 14. Platz, am Ende finden sich die Stadtstaaten Bremen und Berlin.
In der Betrachtung der Regionen allerdings liegen das Voralpenland und das Allgäu oben an der Spitze. Heimatverbundenheit ist vor allem „Indikator eines gelungenen Zusammenlebens der Menschen“, sagt Klaus Boehnke als einer der Autoren. „Wer sich stärker mit seiner Heimat verbunden fühlt, berichtet von mehr Glück, Lebenszufriedenheit und Optimismus“, sagt der Professor für Sozialwissenschaftliche Methodenlehre.
Für die Verbundenheit mit der Heimat spielen der Untersuchung zufolge die Bevölkerungsdichte und die Wirtschaftsstruktur eine wichtige Rolle. In den großen Städten und dicht besiedelten Räumen sei sie weniger ausgeprägt als in ländlichen Gegenden.
In postmodernen, von der Dienstleistungsgesellschaft geprägten Regionen fühlen sich die Menschen weniger heimatverbunden als in den Gebieten, in denen produzierendes Gewerbe vorherrscht. Heimat und Einkaufsverhalten hängen eng zusammen: 85 Prozent der Bayern gaben an, möglichst Lebensmittel aus der eigenen Region zu kaufen. Damit liegt der Freistaat an der Spitze.
Mit einem verbreiteten Vorurteil räumt die Studie auf: Heimatverbundenheit sei nicht mit einer rechtsgerichteten Gesinnung zu verwechseln. Laut Boehnke kommen Heimatverbundene aus allen politischen Lagern ebenso wie Menschen, die sich mit ihrer Heimat nicht so eng verbunden fühlen. „Spannend ist, dass Heimatverbundenheit mit einer hohen Zustimmung zur Demokratie als Staatsform einhergeht“, sagte er. Je stärker die Heimatverbundenheit ausgeprägt ist, desto stärker sei die Zufriedenheit mit der Demokratie und das Vertrauen in die Institutionen. Aber es gebe auch die Gefahr, dass rechtsextreme Bewegungen versuchen, sich den Heimatbegriff zunutze zu machen und ihn als Argument für Ausgrenzung zu verwenden. Die Ergebnisse der Studie können laut Auffassung der Autoren eine wissenschaftliche Perspektive in die aufgeladenen Diskussionen zum Thema Heimat bringen.
Heimatverbundenheit spielt bei Menschen mit Migrationshintergrund eine besonders starke Rolle. Sie könne daher ein Indikator für eine gelungene Integration sein. Wenn sich Zugewanderte mit ihrem aktuellen Wohnort „heimatlich“ verbunden fühlten, berichteten sie von einem noch höheren Wohlbefinden als Mitbürger ohne Migrationshintergrund.