Mit Turnschuhen am Abgrund

von Redaktion

Polizeihubschrauber-Besatzung gelingt riskante Bergung

Schönau – „Es grenzt an ein Wunder, dass er mit dieser Ausrüstung bereits die zweite Nacht in der Wand überstanden hat.“ Diese Einschätzung stammt von Polizeibergführer Jörg Fegg aus Berchtesgaden, der über eine Rettung eines tschechischen Wanderers (49) berichtet. Dieser hatte sich in kurzer Hose und in Turnschuhen am Hohen Göll (2522 m) verirrt, dort bereits eine Nacht in einem Felsvorsprung überstanden, ehe er in der Nacht zum Montag gegen 2 Uhr früh endlich in Sicherheit gebracht werden konnte.

Der Tourist war am Samstag mit einer Begleiterin in Schönau am Königssee zu einer Mehrtagestour aufgebrochen. Sie wollten nach Überschreitung des sogenannten Hohen Bretts auf österreichischer Seite im Stahlhaus auf über 1700 Meter übernachten. Auf dem Weg dorthin weigerte sich der Mann wegen unerwartet viel Schnees und dazu unpassenden Schuhwerks weiterzumarschieren. Das Paar trennte sich, die Frau erreichte das Stahlhaus und übernachtete dort. Der Mann wollte zurück. Als die Frau am Sonntag keinen Kontakt zu ihrem Partner herstellen konnte, stellte sie Vermisstenanzeige.

Die Rettung kam in Form des Salzburger Polizeihubschraubers Libelle, der mit einer Wärmebildkamera ausgerüstet ist. Die Besatzung entdeckte um 23 Uhr Lichtzeichen in den Südabstürzen des Hohen Bretts. Eine Bergung war den Österreichern aber nicht möglich. Das gelang erst der Besatzung eines bayerischen Polizeihubschraubers, die nachts eine Windenbergung durchführen darf. Der Tourist hatte nur Schürfwunden erlitten. Seinen Rucksack hatte er auf seiner Odyssee durch die Wand verloren.

MARKUS CHRISTANDL

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