München/Bamberg – Ein Netzwerk für eine zukunftsfähige Kirche im Erzbistum München und Freising will Kardinal Reinhard Marx bei der „Umsetzung einer erneuerten Synodalen Kirche“ mit Rat und Tat zur Seite stehen. Der Kreis, zu dem sich Reformgruppen wie „Wir sind Kirche“, Maria 2.0, der sogenannte Münchner Kreis, der Katholische Deutsche Frauenbund, die Kommission Frauen des Kolpingverbands, Ordensfrauen für Menschenwürde und die „Gemeindeinitiative“ zusammengeschlossen haben, zollt dem Münchner Erzbischof in einer gemeinsamen Erklärung großen Respekt für sein Rücktrittsangebot. Und dass er „konkrete Mitverantwortung für die Katastrophe des sexuellen Missbrauchs durch Amtsträger in der Kirche“ übernehme.
Die Reaktion des Papstes, der das Rücktrittsgesuch nicht annahm, sieht das Netzwerk als Rückenstärkung für Kardinal Marx, sich in seinem Bistum und für den Reformkurs der Kirche in Deutschland mit Kraft und Kompetenz einzusetzen. Wie es mit der Erneuerung der katholischen Kirche weitergeht, das ist allerdings noch unklar. Das Netzwerk teile die Sorge von Marx, „dass sich in den letzten Monaten eine Tendenz bemerkbar macht, die systemischen Ursachen und Gefährdungen wie auch die grundsätzlichen theologischen Fragen auszuklammern oder an den Rand zu drängen und die Aufarbeitung nur auf eine Verbesserung der Verwaltung zu reduzieren“.
Die Reformgruppen im Erzbistum erwarten nun konkrete Schritte. Dazu zählt, alle Missbrauchsverbrechen von unabhängigen Prüfern zu untersuchen und aufzuarbeiten, mit der Basis eine Vision für eine zukünftige Pastoral zu entwickeln, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiere – nicht an der abnehmenden Zahl der Priester. Frauen, so fordern es die Reformer, sollen eine gleichberechtigte Position in allen kirchlichen Diensten und Ämtern bekommen. Pastorale Mitarbeiter sollen mehr Befugnisse bekommen. Und „Leitungsverantwortliche“ in der Diözese sollen sich gegen rückwärtsgewandte Positionen innerhalb der Kirche stellen. Dahinter steckt der Wunsch, dass sich die Amtskirche deutlich gegen zahlreiche Hass-Mails positioniert, mit denen die Reformer derzeit bombardiert werden. Die Bischofskonferenz, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und die Teilnehmer am Synodalen Weg werden aufgerufen, den Briefwechsel zwischen Kardinal Marx und dem Papst als Weckruf zu verstehen, in welch massiver Glaubenskrise sich die Kirche befinde.
Bambergs katholischer Erzbischof Ludwig Schick sieht unterdessen keinen Zusammenhang zwischen der Ablehnung des Rücktrittsgesuchs und den Vorgängen im Erzbistum Köln. „Personalentscheidungen sind immer individuell und werden bei Bischöfen individuell mit dem Papst besprochen und von ihm entschieden“, sagte Schick dem „Fränkischen Tag“. „Mit Köln hat die Entscheidung des Papstes nichts zu tun.“ Im Erzbistum Köln überprüfen derzeit im Auftrag des Papstes der Stockholmer Kardinal Anders Arborelius und der Rotterdamer Bischof Hans van den Hende die „komplexe pastorale Situation“. Hintergrund ist die seit Monaten andauernde Debatte um die Missbrauchsaufarbeitung und die entstandene Vertrauenskrise. CLAUDIA MÖLLERS (mit kna)