Bayreuth – So eine Fahndung hat es in Bayern, vielleicht sogar in ganz Deutschland noch nie gegeben: Direkt am Radweg, an dem am 19. August 2020 der 24-jährige Informatiker Daniel W. erstochen wurde, prangt jetzt ein Plakat mit seinem Foto – und darunter der Satz: „Wer hat mich hier ermordet?“
Die Foto-Fahndung direkt an der A9-Ausfahrt Bayreuth-Süd lässt die Passanten erschaudern. Doch für die Soko „Radweg“ der Kripo ist es wohl die letzte Chance, den Mörder von Daniel W. nach zehn Monaten ergebnisloser Ermittlung doch noch zu fangen. Die Familie des Opfers gab dazu ihre Zustimmung. Zuletzt brachte die Ausstrahlung des Falls bei „Aktenzeichen XY“ 60 Hinweise. Doch trotz einer ausgesetzten Belohnung von 10 000 Euro war die entscheidende heiße Spur bisher nicht dabei.
Der Fall ist umso rätselhafter, weil sich in Daniel W.’s Umfeld keinerlei Anzeichen für ein Motiv finden ließen, er führte kein Doppelleben und war völlig unauffällig. In der Tatnacht war er kurz nach Mitternacht auf seinem Rad von einer Shisha-Bar in der Innenstadt auf dem Weg zu seiner Wohnung. In einer unbeleuchteten Kurve wartete der Täter auf ihn. „Es muss sich um ein Zufallsopfer gehandelt haben“, sagt der Chef der Soko Uwe Ebner. Der Täter war laut Operativer Fallanalyse Bayern männlich und verfügte über Ortskenntnisse. Besonders rätselhaft war der Fund eines abgebrochenen, 500 Gramm schweren Hammers am Tatort, den die Ermittler bisher nicht mit der Tat in Verbindung bringen konnten. Allerdings wurde nur wenige Stunden vor dem Mord an Daniel ein unbekannter Mann beschrieben, der einen anderen jungen Mann verfolgte und dabei einen Hammer über seinem Kopf schwang.
Solange der Mörder von Daniel nicht gefasst ist, leben die Anwohner und vor allem die Familie des Opfers weiter in Ungewissheit. Die Polizei setzt seitdem verstärkt Streifen im Tatort-Bereich ein.