Flößersaison fällt 2021 komplett ins Wasser

von Redaktion

Wolfratshausen – An die letzte Floßfahrt kann sich Floßmeister Josef Seitner noch gut erinnern: „Das war am 10. September 2019“ – damals, beim Saisonende, fuhr die komplette Belegschaft seines Unternehmens mit dem Floß von Wolfratshausen nach München und feierte, dass die Saison unfallfrei abgelaufen war. Das ist lange her – nun fällt nach 2020 auch die Flößersaison 2021 komplett ins Wasser. „Das wird heuer einfach nichts mehr werden“, sagt Seitner enttäuscht.

Entsprechend niedergeschlagen ist die Stimmung auch bei seinen Berufskollegen von den anderen beiden Flößereibetrieben in Wolfratshausen. Michael Angermeier, Chef des gleichnamigen Flößerbetriebs in Arzbach, nimmt die Politik in Haftung. „Viel zu spät kam Impfstoff, das haben die einfach versaut.“ Er habe zwar noch einen Rest Hoffnung, dass Mitte Juli die Genehmigung für den Neustart der Flößer kommen könnte. Aber es sehe nicht gut aus.

Auch Monika Heidl-Seitner, Büroleiterin im zweiten Flößereibetrieb in der Flößerstadt Wolfratshausen, fühlt sich von den Entscheidungsträgern im Freistaat alleingelassen: „Wir sind keinen Schritt weiter, was die Umsetzung der Hygienemaßnahmen für unseren Betrieb betrifft.“ Bis zunächst 11. Juli hat sie wie Angermeier alle Fahrten abgesagt. „Es ist der Warnschuss vor der Totalabsage“, sagt Heidl-Seitner.

Josef Seitner betreibt das traditionsreiche Geschäft in vierter Generation: „Nein, so etwas hat’s noch nie gegeben.“ Das Schlimmste, von dem ihm sein Vater berichtet hat, „waren sechs Wochen, in denen mal nichts ging“. Wochenende für Wochenende gab’s seinerzeit extrem schwere Regenfälle. Die Folge: „Hochwasser“, das von montags bis freitags „gar nicht mehr zurückging“. Es waren sechs lange Wochen, in denen die tonnenschweren Flöße an die Floßlände gefesselt waren. Nun bleibe nur die Hoffnung auf 2022. Dann, sagt Monika Heidl-Seitner, „starten wir voll durch“. CARL-CHRISTIAN EICK

Artikel 11 von 11