Archäologen entdecken Massengrab

von Redaktion

Freising – Noch immer sind die Archäologen am Rindermarkt in Freising zugange. Über 30 Skelette vermutlich aus dem 16. oder 17. Jahrhundert sind es inzwischen, die die Grabungsspezialisten seit Beginn der Untersuchungen Ende Mai freigelegt haben. Und immer mehr Erkenntnisse kommen ans Tageslicht. Jetzt hat das Bayerische Landesamt für Denkmalschutz (BLfD) den Stand der Dinge mitgeteilt.

„Etwas mehr als 30 Skelette, die auffällig dicht aufeinandergestapelt liegen“, habe man entdeckt, erklärt die Sprecherin der Behörde, Juliane Grimm, zum aktuellen Stand. Dabei hätten Anthropologen festgestellt, dass es sich um viele junge Menschen und Kinder handele. Das sei auffällig. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass die Toten Opfer einer ansteckenden Krankheit waren. Die Untersuchungen sind aber nicht abgeschlossen.

Dafür ist etwas anderes wohl gesichert: Bei den im Zuge von Bauarbeiten der Stadtwerke für das Nahwärmenetz in der Innenstadt aufgefundenen Personen handelt es sich „mit großer Wahrscheinlichkeit“ um Christen. Dafür sprechen Perlen, die man bei den Toten gefunden habe, die vermutlich von Rosenkränzen stammen. Wahrscheinlich stammen die Toten aus dem 16 oder 17. Jahrhundert. Eine genaue zeitliche Einordnung könne erst nach Datierung der Funde – also der Perlen von Rosenkränzen und der Häkchen der Bekleidung – erfolgen. Die Funde würden nun wissenschaftlich dokumentiert und dann geborgen. Nach der Bergung werden die Funde dann in die Restaurierungswerkstätten des BLfD gebracht, wo geprüft werde, ob „konservatorischer Handlungsbedarf“ besteht. Erst danach könne entschieden werden, wie man mit den Objekten weiter verfahre und ob man sie beispielsweise an ein Museum übergebe.

Ob die Funde Rückschlüsse auf die Freisinger Stadtgeschichte zulassen oder neue Erkenntnisse für die Historie liefern, könne man noch nicht sagen, sagt die BLfD-Sprecherin. „Aber wir wissen, dass der zur Kirche zugehörige Friedhof 1543 gemeinsam mit der Gottesackerkirche St. Maria außerhalb der damaligen Stadtmauern neu angelegt wurde.“

Der alte Friedhof wurde damals vermutlich aufgegeben – waren die Toten die letzten Personen, die man dort beerdigt hat? Das werden die Experten erst sagen können, wenn das Alter der jetzt entdeckten Skelette feststeht. Voraussichtlich noch zwei Wochen werden die Grabungen andauern.

ANDREAS BESCHORNER

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