Den Müllsündern auf der Spur

von Redaktion

VON DOMINIK STALLEIN

München – Wenn Walter Fortmühler ermittelt, wühlt er im Dreck fremder Leute – und zwar wortwörtlich. Fortmühler ist Privatermittler mit eigener Detektei. Und neben privaten Beziehungsdramen und Wirtschafts-Betrügereien hat der Münchner seit einem Jahr auch Müllinseln im Visier. Er bekämpft ein Problem, das in ganz Bayern um sich greift: vermüllte Wertstoffinseln und illegal abgeladener Dreck. Immer mehr Kommunen setzen im Kampf gegen Müllsünder auf Detektive.

Walter Fortmühler ist zum Beispiel in Erding und Poing (Kreis Ebersberg) unterwegs und in fünf weiteren Gemeinden im Münchner Umland, die er nicht verraten möchte. Seine Zielpersonen: Menschen, die illegal Rest- und Sperrmüll an den Wertstoffinseln abladen. Dort legt er sich auf die Lauer. Ausgestattet mit einer Videokamera, Notizblock, Fernglas und regelmäßig auch mit einem Nachtsichtgerät. Dann wartet er. Und fast immer, wenn Fortmühler ausrückt, lohnt sich das Warten – ein Müllsünder pro Stunde geht ihm im Schnitt in die Fänge. Der kriegt davon aber erst mal nichts mit: Der Privatdetektiv hält niemanden fest. Er spricht die Menschen nicht einmal an. Aber er dokumentiert alles – den Tatort, die Zeit, den Müll, das Kennzeichen. Und manchmal zeigen seine Kamera-Aufnahmen auch die bangen Blicke der Umweltfrevler, wenn sie prüfen, ob Zeugen sie beobachten. Diese Aufzeichnungen übergibt Fortmühler an die Gemeinden.

Die Kommunen können den Müllsündern dank seiner Arbeit Bußgeldbescheide ausstellen. Ohne Detektive klappt das nur selten. Denn die wenigsten Fälle von Umweltfrevel werden im Nachhinein aufgeklärt. „Die Detektive – und das ist der Vorteil – erwischen sie in flagranti“, sagt Ebersbergs Bürgermeister Ulrich Proske. Die Kreisstadt war im Jahr 2010 eine der ersten in ganz Bayern, die einen Müll-Detektiv beauftragte. „Es ist eine Erfolgsgeschichte“, sagt Proske. Aus zwei Gründen: Zum einen werden viele Müllsünder ertappt – in Ebersberg etwa 150 Personen im vergangenen Jahr, heuer schon an die 90. „Zum anderen wissen die Menschen inzwischen, dass wir die Müllinseln überwachen.“ Manchen Müllsünder schreckt das ab.

Gelöst ist das Problem damit aber nicht. Immer wieder liegt Elektroschrott neben den Kunststoff-Behältern, zu oft stapelt sich Bauschutt an der Müllinsel oder es lehnen ausrangierte Möbel an den Altglas-Tonnen. „Wir sind immer wieder verwundert, was da alles abgeladen wird“, sagt Proske. Während der Corona-Pandemie hat das Problem zugenommen. Statt großem Sommerurlaub stand in einigen Familien der große Frühjahrsputz an. Und ein Teil der Heimwerker hat seinen Schutt eben nicht brav zum Wertstoffhof gebracht, sondern deponierte ihn illegal an Müllinseln. Bürgermeister Proske hat dafür kein Verständnis. „Man kann seinen Müll kostenlos oder für einen geringen Preis abgeben. Wieso manche das nicht nutzen, ist mir ein Rätsel.“ Auch, weil empfindliche Bußgelder drohen, bei großen Mengen bis zu 2500 Euro.

Die Beweggründe der Müllsünder sind dem Privatdetektiv Fortmühler ziemlich egal. Ihm ist wichtiger, dass die illegale Müllentsorgung weniger wird. „Das ist für mich nicht nur ein Auftrag, sondern eine tiefe Überzeugung.“ Zum einen, weil ihm die Umwelt am Herzen liegt. Zum anderen weil er es nur gerecht findet, dass Müllsünder zur Kasse gebeten werden – besonders bei den dicken Fischen, die ihm ins Netz gehen. Denn unter den Tätern sind zwar viele Privatleute, die kleine Müll-Mengen wegwerfen. „Es gibt aber auch Firmen, die eine komplette Wohnung entrümpeln, eine Abfallgebühr verlangen und das Zeug dann trotzdem illegal abladen“, berichtet der Detektei-Chef. „Kriminelle Machenschaften“ seien das. Fortmühler will sie aufdecken. Auch wenn er dafür in Mülltonnen wühlen muss.

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