KOLUMNE

VON SUSANNE BREIT-KESSLER Frauen und Fußball

von Redaktion

Frauen fliegen Jets und auf den Mond. Sie fahren Autorennen und Motorrad, klettern im Himalaya, kämpfen in Afghanistan, reparieren Autos und Traktoren, sind Kanzlerin und Verteidigungsministerin. Sie kriegen Kinder, die manchmal zu ziemlich respektlosen Männern werden. Zu Menschen, die ängstlich um ihre letzte Bastion fürchten. Denn eine Frau darf doch keine EM-Spiele kommentieren. Das geht einfach nicht.

Wieder, wie schon 2016 und wie bei der WM 2018, hetzen die Ewiggestrigen. Gegen die 57-jährige Sportjournalistin Claudia Neumann und nun auch gegen Fußball-Weltmeisterin Ariane Hingst, ihre Co-Kommentatorin. Was in den sozialen Medien zu lesen ist, ist voller frauenfeindlichem Hass und zugleich erbärmlich. „Frauenstimmen passen nicht zum Fußball.“ „Die blöde Alte wieder.“ „Es ist wirklich unerträglich und gibt’s in keinem Land der Welt, dass zwei Frauen ein EM-Spiel kommentieren. Warum erlöst uns niemand davon?“ Ein weiteres der mentalen männlichen Highlights, die das ZDF veröffentlichte: „Darum schicken wir unsere Frauen extra weg beim Fußball.“

Mein Vater, ein Feinmechaniker, war DFB-Schiedsrichter und pfiff jedes Wochenende ein Spiel. Selbstverständlich war meine Mutter immer dabei und schleppte mich schon als Zweijährige mit an den Spielfeldrand. Später, bei großen Turnieren, saßen wir vereint vor dem Fernseher und diskutierten hitzig die Spiele. Konnte mein Vater die Spannung nicht mehr ertragen, verließ er den Raum. In regelmäßigen Abständen rief er mich zu sich und ließ sich von mir den Spielstand berichten. Er, der noch im Kaiserreich geboren war, noch bevor Frauen das Wahlrecht erhielten, er, der absolute Experte, ließ sich von seiner halbwüchsigen Tochter die Ereignisse auf dem Platz erklären. Mein Vater hat niemals meine fußballerische Expertise angezweifelt, sondern sie kontinuierlich gefördert und herausgefordert. Das war ein Mann!

Claudia Neumann, die selber Tennis und Fußball spielt, hat Germanistik, Pädagogik und Sport studiert. Sie kommentierte Tennisturniere in Wimbledon, die Tour de France und Olympische Spiele. Beim Fußball unterlaufen ihr wie den Kollegen manchmal Fehler: Sie verwechselt Spieler, verspricht sich bei Namen und hinkt schon mal kurz dem Torverhältnis hinterher. Das kann man sachlich kritisieren. Aber deswegen fragen, ob sie „überhaupt aus der Küche rausdarf“? Auch ihre Stimme muss man nicht mögen. Aber ganz ehrlich: Die der „Hater“ möchte ich noch nicht einmal lesen. Und in meine Küche kämen die erst gar nicht rein.

*Susanne Breit-Kessler ist Vorsitzende des Bayerischen Ehtikrates.

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