Bauernpräsident wirft Einzelhandel Verlogenheit vor

von Redaktion

München – Mit der Ankündigung, schrittweise Fleisch der niedrigsten Haltungsstufe aus dem Sortiment zu nehmen, hat der Discounter Aldi für Aufsehen gesorgt. Weitere Einzelhandelsriesen reagierten und kündigten ebenfalls einen langsamen Abschied vom Billigfleisch an. Bayerns Bauernpräsident Walter Heidl wirft den großen Lebensmitteleinzelhändlern nach diesem Vorstoß Verlogenheit vor.

„Man schraubt die Anforderungen an die Landwirte hoch mit visionären Zielen, die aktuell weder vom Emissions- noch vom Baurecht überhaupt zu erreichen sind“, sagte Heidl unserer Zeitung. Wie die Umstellung von den Bauern finanziert werden solle, davon sei hingegen keine Rede.

Derzeit laufen nach Heidls Angaben wieder Verhandlungen für Rindfleisch der Initiative Tierwohl. In diesem Zusammenschluss zwischen Landwirten, Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel hätten die Partner vereinbart, Kosten für zusätzliche Anforderungen bei den Landwirten auszugleichen – „und zwar nach von Wissenschaftlern erarbeiteten Honorierungssätzen“, wie Heidl betonte. Doch nun versuche der Lebensmitteleinzelhandel, bei den Verhandlungen für die Rinderhaltung diese Honorierungssätze zu halbieren. „Das ist unflätig“, kritisierte Heidl.

Das widerspreche auch dem Konsens aus der Zukunftskommission zur Landwirtschaft, die nach den anhaltenden Bauernprotesten der vergangenen Jahre auf Bundesebene eingesetzt wurde. In der Kommission waren Vertreter aus der Landwirtschaft, aus dem Umweltschutz, der Wirtschaft und der Wissenschaft vertreten. Der Abschlussbericht, in dem Empfehlungen für eine Transformation zu einer tier- und umweltfreundlicheren Ernährungs- und Produktionsweise formuliert sind, wurde vergangene Woche in Grundzügen vorgestellt, heute soll die Endfassung an die Bundeskanzlerin übergeben und danach veröffentlicht werden. „In der Kommission haben sich die Mitglieder darauf geeinigt, die wirtschaftliche Situation in der Landwirtschaft aufrechtzuerhalten und keine Verlagerung der Tierhaltung ins Ausland zu fördern“, sagte Heidl. Doch genau diese Gefahr besteht aus seiner Sicht mit den aktuellen Vorstößen des Lebensmitteleinzelhandels. Für Heidl ist es nun Aufgabe der nächsten Bundesregierung, in Sachen Tierwohlanforderungen einen mehrheitsfähigen Weg zu finden, der auch die Wirtschaftlichkeit der Bauern im Blick habe.  dg

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