Lebensretter am Beckenrand

von Redaktion

VON MANUEL ESER

Freising – Für einen Moment sind die Gefühle stärker als sämtliche Corona-Regeln. Mit einem Grinsen läuft Bademeister Michael Heilmair auf die beiden blonden Buben zu, die am Sprungturm sitzen, und schlägt ihnen immer wieder herzhaft auf die Schultern. „Schön, euch wiederzusehen“, sagt er im Rhythmus seines Trommelfeuers zum zwölfjährigen Niklas Schätz und dessen achtjährigen Kumpel Luis Adam, beide aus Ismaning im Kreis München. Dann überbrückt er den Corona-Sicherheitsabstand zu Andreas Schmitz und umarmt ihn.

Was diese vier miteinander erlebt haben, schweißt zusammen. Sie haben ein elfjähriges Mädchen im Freisinger Erlebnisbad „fresch“ im letzten Moment vor dem Ertrinken gerettet. Für ihr mutiges Handeln wurden sie am Montag von der Stadt Freising geehrt – exakt eine Woche nach den dramatischen Szenen am Beckenrand.

Ein langer Badetag neigt sich dem Ende entgegen, als Niklas am 28. Juni gegen 19 Uhr noch mal zum Sprungturm marschiert. Als er am Ein-Meter-Brett steht, fällt ihm ein Mädchen auf, das unter der Wasseroberfläche treibt. Schnell wird ihm klar, dass etwas nicht stimmt. Für einen Moment überlegt er, ins Becken zu springen. „Doch ich hatte Angst, dass sie sich an mir festklammert, und wir beide untergehen.“ Und doch bringt der Zwölfjährige die Rettungskette in Gang: Als er seinen Kumpel Luis kommen sieht, ruft er ihm zu: „Hol schnell den Bademeister, hier stimmt was nicht.“

Der Achtjährige eilt zu Michael Heilmair und erzählt dem Bademeister, was passiert ist. Der verliert keine Sekunde und läuft zum Sprungbecken. „Als ich angekommen bin, trieb das Mädchen senkrecht im Wasser, die Füße fast am Boden, die Arme weit ausgebreitet, fast wie am Kreuz.“ Heilmair springt ins Wasser, bekommt das Mädchen zu fassen und stemmt es nach oben. Am Beckenrand eilt Andreas Schmitz zu Hilfe. Der Familienvater aus Kirchdorf zieht den leblosen Körper aus dem Wasser. „Ich habe sofort gemerkt, dass das Mädchen keinen Puls mehr hat“, berichtet der 41-Jährige, der als Ersthelfer ausgebildet ist. „Ein Kind hat gerufen: Die kann aber lange den Atem anhalten – da bin ich losgelaufen.“ Gemeinsam mit dem Bademeister nimmt er die Reanimation vor. „Zeitweise habe ich schon gedacht, es geht nicht gut aus.“ Doch die Rettung gelingt.

Schmitz sagt, dass er sich an jedes Detail erinnert. „Besonders an den Moment, als das Herzerl wieder geschlagen hat. Das spüre ich immer noch.“ Luis hat die ersten Nächte schlecht geschlafen, Niklas wollte eigentlich nur den engsten Freunden von seiner Heldentat erzählen. Jetzt reißen sich Radiosender um ihn. „Ist okay“, sagt er. „Ich bin ja auch ein Stück weit stolz. Und ich bin froh, dass ich gut schwimmen kann.“

Schmitz nutzt die Ehrung für einen Appell: „An Grundschulen sollte mehr Schwimmunterricht angeboten werden.“ Freibad-Leiter Alexander Frederking ist froh, dass es dem Mädchen gut geht. Erst acht Tage zuvor war ein zwölfjähriger Bub untergegangen und musste reanimiert werden. „Für mich ist das ein Weckruf an Personal, Gäste und Eltern, zusammen noch wachsamer zu sein.“

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