„Alles andere als ein Funktionär“

von Redaktion

DGB-Vorsitzender Jena beigesetzt – 60-Jähriger starb an ALS

Germering – Als Mensch mit klarer Haltung, hohem Anstand und festen christlichen Überzeugungen hat die frühere Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler den kürzlich verstorbenen bayerischen DGB-Vorsitzenden Matthias Jena gewürdigt. Der 60-Jährige sei „alles andere als ein Funktionär“ gewesen, sagte sie gestern bei der Trauerfeier in der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche in Germering (Kreis Fürstenfeldbruck), deren Gemeindemitglied Jena war.

In einer seiner letzten Reden habe er seine Haltung zusammengefasst: „Leben muss für alle in jedem Alter auskömmlich sein. Arbeit kommt vor dem Kapital, Würde vor der Rendite“, zitierte Breit-Keßler aus einer Rede Jenas. Nicht der Mensch sei sozial schwach, sondern der Staat, der nicht für ihn sorge. Fromm und politisch zu sein und sich für die Menschen einzusetzen, „bevor sie unter die Räder kommen“, sei für Jena eine Selbstverständlichkeit gewesen.

Am 29. Juni ist Matthias Jena im Alter von 60 Jahren gestorben. Die Familie hatte sich entschlossen, bei der Trauerfeier bekanntzumachen, an welcher Krankheit Jena litt. Todesursache war eine Amyotrophe Lateralsklerose. ALS ist eine schwere Erkrankung des motorischen Nervensystems. Zu den Symptomen zählen Muskelschwund und Atemschwäche. Eine Heilung der Krankheit ist derzeit nicht möglich. Noch an Pfingsten habe Jena es abgelehnt, die Art seiner Erkrankung öffentlich zu machen, sagte Breit-Keßler: „Die Vorstellung, dass sein Schicksal durch die Medien gezogen wird, war ihm zuwider.“ Er habe am Ende darunter gelitten, dass er beatmet werden musste. Weitere medizinische Maßnahmen wie einen Hustenassistent oder eine Magensonde habe er kategorisch abgelehnt. Das Stillschweigen über die Krankheit sei für die Familie jedoch auch belastend gewesen. „Wir sagen heute ganz bewusst, welche Krankheit er hatte“, so die Theologin. Ein offener Umgang mit der Todesursache könne helfen, „so besonders tragische und dramatische Lebenssituationen besser zu verstehen und miteinander zu tragen“. Am Ende sei es „die Wahrheit, die frei macht – sonst nichts“, sagte Breit-Keßler.  epd

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