Eine Gärtnerei wird Künstler-Treffpunkt

von Redaktion

30 Kunstschaffende dürfen sich auf weitläufigem Areal am Starnberger See frei entfalten

VON PETER STÖBICH

Seeshaupt – Der Bildhauer Michael von Brentano und seine Frau, die Gärtnerin und Architektin Katharina Heider, haben 30 Künstler aus dem Großraum München zu einer ungewöhnlichen Ausstellung an den Starnberger See eingeladen. „Wurzelspitzen“ heißt die bunte Schau in Seeshaupt (Kreis Weilheim-Schongau), die noch bis Frühjahr 2022 auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Demmel (Baumschulenstraße 3) zu sehen ist. Die Kunstwerke in den Gewächshäusern und auf dem 12 000 Quadratmeter großen Außengelände sind jeden Samstag und Sonntag zwischen 12 und 18 Uhr ohne Eintritt frei zugänglich.

Die Ausstellung sieht Grundstückseigentümerin Katharina Heider als Zwischennutzung, denn für ein großes Gemeinschafts-Wohnprojekt hat sie fertige Pläne in der Schublade. Bis die Behörden dafür grünes Licht geben, will sie an die über 100-jährige Vergangenheit der Gärtnerei in Seeshaupt erinnern. „Das hat mit der Idee angefangen, riesige Plakate aufzuhängen, welche die jahrzehntelange Arbeit der Menschen in der Gärtnerei dokumentieren.“ Sie hat dafür aus dem Familien-Archiv die besten Fotos ausgewählt, auf Planen gedruckt, mit Untertiteln versehen und aufgehängt. Daraus reifte schließlich das Konzept für die „Wurzelspitzen“.

Bildhauer Brentano sah in dem aufgelassenen Areal sofort großes Potential, um dort gemeinsam mit Kollegen kreativ zu arbeiten. „Ein Glücksfall, denn für uns Künstler gibt es nicht einen ersten, zweiten und dritten Lockdown, für uns war einfach seit einem Jahr alles zu.“ Kunst könne man nicht dauerhaft in den virtuellen Raum verlegen, betont er.

Die 30 Kunstschaffenden können sich auf dem weitläufigen Gelände nun frei entfalten, es gibt in der Wahl des künstlerischen Mediums keinerlei Einschränkung. „Sie können mit der Struktur des Geländes und den Räumen arbeiten und alles nutzen, was noch vorhanden ist: Gewächshäuser, Freigelände, ehemalige Verkaufsräume“, erklärt Brentano. „Man kann hier nicht nur etwas hinstellen, sondern auch etwas wegnehmen, umbauen, ausgraben und umwidmen.“ So werden für die Arbeiten oft Materialien verwendet, die auf dem Areal bereits vorhanden sind – wie Erde, Teichfolie oder alte Wasserrohre.

Von diesen Möglichkeiten machen die Aussteller phantasievoll Gebrauch: Ömer Faruk Kaplan, ein Wiener Künstler mit deutschen und türkischen Wurzeln, hat über einige Beete ein Geflecht aus Bambus und Kunststoffbändern gespannt. Stefan Wehmeier zeigt eine Rauminstallation im Gesindehaus sowie Keramiken in der Verkaufshalle, Brentano bearbeitet unter dem Titel „Wagnis und Grimm“ ein altes Möbelstück. Übers ganze Gelände verteilt sind lustige Figuren, die aussehen wie eine Mischung zwischen farbenfrohen Außerirdischen und dem Kobold Pumuckl.

„Durch die Arbeit der Künstler entdecken auch wir das ganze Gelände noch einmal neu“, sagt Heider. Für sie sei die Ausstellung ein Geschenk, sagt sie: „Ich bin die vierte Generation der Gärtnerfamilie Demmel. Seit über 118 Jahren haben meine Vorfahren hier gearbeitet und ich beende die Ära der Gärtnerei. Irgendwann habe ich gedacht, ich beende nicht, ich transformiere nur. Der Geist der Gärtnerei oder der Geist, den meine Vorfahren da hinein gelegt haben, den möchte ich erhalten.“ Durch die Ausstellung und die Zusammenarbeit mit den Künstlern wachse etwas Neues in Verbindung mit dem, was war.

Für die Besucher sind in den kommenden Wochen verschiedene Veranstaltungen geplant, zum Beispiel Künstlergespräche und Führungen am 24. Juli, 15. August, 5. und 26. September sowie am 17. Oktober. Eine Performance von und mit Barbara Christine Henning ist für 1. August geplant, eine weitere mit Ruth Geiersberger und einem Musiker am 8. August.

Weitere Informationen

auf www.heidersbuero.de.

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