München – Viele Bäuerinnen in Bayern halten ihre Tätigkeit für einen Traumberuf. Allerdings beklagen sie mangelnde Wertschätzung von der Bevölkerung. Das war das Ergebnis einer Studie der TU München, in der die Situation von Bayerns Frauen in der Landwirtschaft abgefragt wurde (wir berichteten). Gestern diskutierte der Landwirtschaftsausschuss im Landtag über die Ergebnisse.
Die SPD-Abgeordnete Ruth Müller, deren Fraktion die Diskussion beantragt hatte, wies auf die große Diskrepanz zwischen der Zufriedenheit der Bäuerinnen mit ihrem eigenen Leben und dem empfundenen Ansehen für den Berufsstand hin. „Hier müssen wir die Leistung der Bäuerinnen noch mehr in den Mittelpunkt stellen“, forderte Müller.
Bei zwei weiteren Aspekten aus der Studie sahen die Abgeordneten Ansatzpunkte für Verbesserungen. So gaben 27 Prozent der befragten Frauen in der Landwirtschaft an, seit ihrer Tätigkeit als Bäuerin noch nie im Urlaub gewesen zu sein. Der FDP-Abgeordnete Christoph Skutella sprach sich mit Blick auf die Gesundheit der Bäuerinnen dafür aus, die Unterstützungsangebote für Landwirte flexibler zu gestalten, damit eine Auszeit von der Hofarbeit leichter ermöglicht werden kann.
Und besonders bei der Frage nach der finanziellen Absicherung für Frauen in der Landwirtschaft betonten Abgeordnete mehrerer Fraktionen, dass die Beratungsangebote intensiviert werden müssten. Es sei alarmierend, dass 35 Prozent aller Bäuerinnen im Falle einer Trennung nicht abgesichert seien, sagte die Grünen-Abgeordnete Gisela Sengl. Auch bei der Altersvorsorge wünscht sich Ruth Müller eine bessere Beratung und zitierte einen Buchtitel: „Ein Mann ist keine Altersvorsorge.“
Der CSU-Abgeordnete Klaus Steiner mahnte außerdem dazu, politisch sensibler zu werden. Die empfundene fehlende Wertschätzung liege auch daran, dass in der Politik viel über die Köpfe der Landwirte hinweg entschieden werde. dg