Bad Tölz – Der Wald leidet. Auch der in Bayern. Und er braucht Hilfe. Die bekommt er. In diesen Tagen von rund 30 freiwilligen Helfern, die für den Verein Bergwaldprojekt mit Sitz in Würzburg auf dem Gebiet des Forstbetriebs Bad Tölz ab heute in zwei Gruppen ehrenamtliche Arbeit leisten. Unter der Regie von Christoph Wehner sowie Jakob Reuter vom Bergwaldprojekt und Revierleiter Karlheinz Wohlmann pflanzen die Frauen und Männer standortheimische Bäume – 1200 Lärchen und 1000 Weißtannen. Sie bauen Wildschutzzäune und Hochsitze und kümmern sich um Wege. „Die Ehrenamtlichen lernen bei ihrer Arbeit hautnah die Schutzwirkungen des Gebirgswalds und seine Artenvielfalt kennen und leisten einen konkreten Beitrag zu dessen Erhalt“, sagt Rudolf Plochmann, der Leiter des Forstbetriebs Bad Tölz.
In Zeiten des Temperaturanstiegs sind gesunde Bergwälder wichtiger denn je. Sie stabilisieren das Klima, bieten Schutz vor Hochwasser, Trockenheit, Lawinen, Erosion und Steinschlag. „Die Wälder sind wichtige Erholungsräume für die Menschen“, sagt Wehner (55). Dabei geht’s dem Wald am Alpenrand im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland dank der relativ konstanten Niederschläge selbst in den vergangenen drei Trockenjahren noch relativ gut. Wehner hat erst vor einigen Tagen mit eigenen Augen gesehen, was Regenmangel anrichten kann. „Im Harz sind ganze Regionen tot. Schuld sind die Dürre und der Borkenkäfer.“
Die Funktion des Waldes zu erhalten, hat sich der Verein Bergwaldprojekt auf die Fahnen geschrieben – und das seit 30 Jahren. Entstanden ist die Bewegung, als der saure Regen in den 1980er Jahren das erste Waldsterben auslöste. Als junger Student der Forstwirtschaft entschied sich Wehner, dem Verein beizutreten. Der bietet jährlich 140 Projektwochen an 70 Einsatzorten in ganz Deutschland an. Die Teilnehmer verbinden Abenteuerurlaub ohne jeglichen Luxus und Engagement für das Ökosystem Wald. Untergebracht sind sie in eigenen Zelten an einer Forsthütte am Walchensee. Ein eigener Koch kümmert sich mit vegetarischer Vollwertkost – mit möglichst regionalen und saisonalen Zutaten – um die Verpflegung. Einmal in der Woche wird Wildfleisch serviert, das von Tieren stammt, die im Bergwald leben. Der Tag ist streng durchgetaktet. Um Viertel nach sieben zieht man los, das Ende ist meist zwischen halb fünf und fünf geplant, dazwischen gibt es eine Mittagspause. Jeder bewältigt das Pensum, zu dem er in der Lage ist. „Wir arbeiten nicht im Akkord“, erklärt Wehner. Keiner soll überfordert werden. Es reiche durchschnittliche Fitness.
Die Helfer gehören nicht ausschließlich zu der Gruppe, die man landläufig als Öko-Fundamentalisten bezeichnet. Wehner räumt ein, dass in den Anfangsjahren die meisten dieses Klischee bedienten. „Es ist schon mal passiert, dass vor mir 15 Männer und Frauen in Birkenstock-Sandalen standen.“ Mittlerweile kommen die Teilnehmer zwischen 18 und 70 Jahren aus allen gesellschaftlichen Schichten, sie sind zwischen München und Berlin zu Hause. Fast alle sind sie beseelt davon, den Wald und damit womöglich auch die Welt zu retten. „Indem sie sich aktiv für ihre Umwelt engagieren, entwickeln sie neue Beziehungen zum Wald und zur Natur. Die positiven Erfahrungen motivieren sie oftmals auch, ihren eigenen Alltag naturverträglicher und ressourcenschonender zu gestalten“, meint Wehner.
Dabei sind die Frauen in der Überzahl. Woran das liegt? „Frauen sind mutiger und interessierter“, meint Wehner. Und viele, die mitmachen, sind Wiederholungstäter. 80 Prozent der Teilnehmer und Teilnehmerinnen kommen wieder. Weil der Wald noch immer leidet und weil er Hilfe benötigt.