Mädchen (1) von Baum erschlagen

von Redaktion

VON JOHANNES WELTE

Augsburg – Das Unglück kam aus heiterem Himmel: Es herrschte kein Sturm, die Sonne schien, als die Kinder am Klettergerüst des Spielplatzes an der Dieselstraße herumtollte. „Wir hatten gerade die Tische für Kommunionen gedeckt, die wir hatten“, berichtet gestern Alfon Tanushi, Geschäftsführer des italienischen Restaurants Il Gladiatore direkt neben dem Spielplatz. „Auf einmal hörten wir etwas krachen und einen Schrei“, erinnert sich Tanushi. Er eilte mit seinem Bruder und drei Mitarbeitern auf den Spielplatz, um zu helfen, auch vier Bauarbeiter von einer benachbarten Baustelle eilten herbei.

Den Helfern bot sich ein schreckliches Bild: Das Mädchen und die Mutter lagen direkt unter dem Stamm, sie waren eingeklemmt. Tanushi: „Wir versuchten zu zehnt, den Baum mit den bloßen Händen anzuheben, um die beiden zu retten.“ Nur die Mutter konnten die Männer schwer verletzt befreien. Dann holten die Bauarbeiter einen Teleskopstapler von ihrer Baustelle, mit dem sie den Baum endlich weg heben konnten. Tanuishi: „Wir legten die Kleine auf die Wiese, sie wirkte wie bewusstlos.“

Bis der Krankenwagen eintraf, versuchten die Augenzeugen das kleine Mädchen zu reanimieren, während die fünfjährige Schwester von anderen Eltern betreut wurde, die auch vor Ort waren. Bis der Vater eintraf, kümmerten sich Rettungskräfte um die Kleine. Sanitäter brachten Mutter und Tochter in die Uni-Klinik, die Ärzte kämpften stundenlang um ihr Leben, vergeblich: Das 22 Monate alte Mädchen starb noch am Samstagabend.

Ersthelfer Tanushi steht auch noch am Tag nach dem Unglück unter Schock: „Das war der schlimmste Tag meines Lebens.“ Der Wirt berichtet: „Der Spielplatz ist bei den Anwohnern sehr beliebt, normalerweise befinden sich noch viel mehr Menschen dort.“ Wieso der 20 Meter hohe Baum mit 60 bis 80 Zentimetern Stammdurchmesser umfiel, ist noch unklar. Der Grundeigentümer ist die Stadt. Laut Stadtsprecher Christopher Raabe würden die Bäume in den städtischen Grünanlagen regelmäßig überprüft. Der Ahorn war direkt über dem Boden von seinen tiefen Wurzeln abgerissen worden. Zu den weiteren Ermittlungen ist ein Baumgutachter eingeschaltet worden. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen. In München war im Mai ein Straßenbaum auf ein Polizeiauto gestürzt, in dem keine Beamten saßen. Als Unfallursache wurde der durch lang anhaltende Niederschläge aufgeweichte Boden angegeben.

Artikel 7 von 11