Eine Auszeit von den Dürrejahren

von Redaktion

VON DOMINIK GÖTTLER

Petershausen – Hermann Greif steht im Weizenfeld, fährt mit der Hand über die Ähren und kommt aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. „Wunderschön, der steht voll im Futter“, sagt der Getreidepräsident des Bayerischen Bauernverbandes über den Bestand des Petershausener Landwirts Josef Kari. Der Milchbauer aus dem Landkreis Dachau mit seinen 110 Kühen, für die der Weizen die Futtergrundlage ist, war heuer einer der Gastgeber der jährlichen Erntefahrt. Jetzt hat Greif für sich und seine Berufskollegen nur noch einen Wunsch – und der düfte sich ausnahmsweise mal mit der Mehrheit der Bevölkerung decken: „Zwei Wochen richtig Sommer wären jetzt schön.“ Denn dann würde das viele Wasser der vergangenen Wochen aus den Feldern verschwinden. „Die Bürger könnten ihre Zeit auf dem Balkon genießen – und wir auf dem Mähdrescher.“

In Bayern beginnt gerade die Ernte. Und nach drei staubtrockenen Dürrejahren hat der Regen heuer endlich wieder für etwas Entspannung gesorgt. „Wir erwarten eine überdurchschnittliche Getreideernte in Bayern“, sagte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, die mit Hermann Greif durchs Weizenfeld stapfte. Und auch auf Bayerns Wiesen, die als Grünland die Futtergrundlage für viele Nutztiere bilden, sieht es richtig gut aus. Spuren hat der frostigste April seit 83 Jahren heuer allerdings bei Kulturen wie der Zuckerrübe oder der Kartoffel. Hier kommt es auf den weiteren Sommer an, wie gut die Ernte ausfällt.

Doch obwohl die Witterungsbedingungen heuer besser sind als in den vergangenen Jahren, können sich nicht alle Bauern in Bayern heuer auf eine satte Ernte freuen. Denn die Unwetter der vergangenen Wochen mit Sturm, Sturzregen und Hagel haben vereinzelt auf ganzen Landstrichen die Felder geplättet. Der Hagelstrich von Starnberg bis nach Passau hat vielen Bauern die Ernte verdorben (wir berichteten). Aktuell hat es auch noch Franken erwischt, dort wurde vergangene Woche sogar in einzelnen Regionen der Katastrophenfall wegen der starken Regenfälle ausgerufen. Selbst wenn die Pflanzen auf dem Feld dort noch stehen, ist noch nicht klar, ob ein normaler Mähdrescher die aufgeweichten Böden überhaupt befahren kann. Getreidepräsident Greif, selbst Franke, sagt: „Wir haben in Franken gelernt, mit der Trockenheit zu leben. Aber mit den feuchten Böden, die wir jetzt haben, tun wir uns schwer.“ Insgesamt rechnet der Bauernverband mit Unwetterschäden auf einer Fläche von rund 120 000 Hektar.

Bei der jährlichen Erntefahrt richten der Bauernverband und das Landwirtschaftsministerium immer auch den Blick auf aktuelle Anbautrends. Einige davon ließen sich auf den Feldern von Bio-Bauer Andreas Amorth, ebenfalls aus Petershausen, besichtigen. Er presst mit seiner Familie im Nebenerwerb Speiseöle aus Lein oder Hanf, deren Anbau im Freistaat immer häufiger zu sehen ist. Und die Speisesoja, die Amorth auf seinem Acker stehen hat, setzt sich auch wegen der Klimaerwärmung immer mehr durch.

Landwirtschaftsministerin Kaniber ermutigte die Landwirte, mit hierzulande noch nicht so verbreiteten Sorten zu experimentieren. Trend-Gewächse wie Quinoa, Amaranth oder die Kichererbse landeten zwar immer häufiger auf bayerischen Tellern – „aber noch zu selten auch aus bayerischen Anbau“, betonte die Ministerin.

Bauernpräsident Walter Heidl wäre aber kein Bauernpräsident, wenn er nicht trotz der guten Ernteaussichten noch den ein oder anderen Bauchschmerz formulieren würde, den seine Branche plagt. Und zwar bei den Preisen, die seine Berufskollegen erzielen. Denn während die Entwicklung etwa beim Getreide oder beim Raps positiv sei, bewege sich bei der Milch oder beim Schweinefleisch überhaupt nichts – „und das, obwohl der Lockdown vorbei ist und wir bestes Grillwetter haben“.

Es werde eine der zentralen Aufgaben der neuen Bundesregierung, den Teufelskreis von immer mehr Auflagen für die Landwirte auf der einen und dem permanenten Wunsch der Verbraucher nach niedrigen Preisen auf der anderen Seite aufzulösen.

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