München – „Gibt’s noch Fragen?“, fragt der Arzt Julia Englert im Impfzentrum Riem. Nein? Dann Ärmel hoch, locker lassen, ein kurzer Piks. „Gute Zeit!“, ruft Markus Söder (CSU) der 18-Jährigen auf dem Weg aus Impfkabine G1 hinterher. Damit ist Englert eine der ersten Schülerinnen und Schüler von Abschlussklassen, die am Montag auf dem Messegelände geimpft wurden – und auch eine der Wenigen, bei denen der Ministerpräsident danebenstand.
„Ein wichtiger Tag, ein wichtiger Termin“, sagt Söder zu Beginn der Impfaktion, während rund 20 volljährige Schüler hinter ihm stehen. „Impfen ist die einzige echte Antwort auf Corona“, stellt der Ministerpräsident fest. Und der Wettlauf gegen die Zeit, gegen die Delta-Variante laufe.
„Ein ganz zentraler Punkt sind junge Menschen“, betont Söder mit Blick auf ein beschleunigtes Impftempo. Als „Landespapi“ sei er stolz auf die junge Generation und wie sie durch die Corona-Zeit gekommen sei: mit guten Abschlussergebnissen, die Lebenslust behaltend. „Deswegen müssen wir aber auch etwas für sie tun.“ Und damit meint Söder: impfen. Begonnen wird mit den Abschlussklassen. Ziel sei aber auch, dafür zu werden, „dass das Impfangebot für mehr junge Menschen möglich ist“. Flexibel, unbürokratisch, so weitreichend wie möglich, wünscht sich der Regierungschef. Kommende Woche sollen Impfangebote für Studenten folgen.
Bleiben noch die Jüngeren ab zwölf, für die der Impfstoff von Biontech/Pfizer zwar zugelassen ist, für die die Ständige Impfkommission (Stiko) bisher aber nur eine Empfehlung ausgesprochen hat, wenn sie bestimmte Vorerkrankungen haben. „Wir würden uns sehr wünschen, dass die Stiko ihre Empfehlungen noch einmal überdenkt“, sagt Söder erneut. „Wenn die Stiko ihre Empfehlung ändert, können wir auch an den Impfzentren in großer Form Schülerinnen und Schüler impfen.“
Julia Englert vom Isar-Gymnasium ist nach der Impfung glücklich. „Ich war gar nicht so aufgeregt“, sagt sie, denn sie kenne schon viele, die bereits geimpft worden sind. „Den Menschen mehr Sicherheit geben, Freiheiten bekommen und die Jugend ein bisschen ausleben“ – so beschreibt sie ihre persönlichen Motivation.
Ähnliche Beweggründe hatte auch Marius Wurm. Der 19-jährige Berufsschüler freut sich schon auf mehr Erleichterungen. In seinem Freundeskreis gebe es aber auch manche, die sich noch nicht impfen lassen wollen. „Das verstehe ich auch, den Impfstoff gibt es ja noch nicht so lang.“
Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) nimmt derweil eine sehr hohe Impfbereitschaft wahr. Mit der Aktion für die Abschlussklassen könne 275 000 Schülern in Bayern ein Impfangebot gemacht werden. Doch auch er äußert die Erwartung an die Stiko, dass die Daten „engmaschig überprüft“ werden.
Söder hat schon ausgemacht, welche Motive zum Impfen die Jungen besonders reizen: „Je mehr junge Leute geimpft sind, und zwar zweifach, desto leichter können wir zum Beispiel auch bestimmte Angebote wie Clubs oder Diskotheken wieder in Erwägung ziehen“, lockt er. Geld zu verteilen halte er hingegen für das falsche Signal. „Impfen to go“, also praktische Angebote, nah an der Lebenswelt dran, bevorzuge er da. CINDY BODEN