München – Es waren finstere Jahre, als die US-Besatzer 1945 die NS-Polizei abschafften. Die Amerikaner wurden der schnell gewachsenen Kriminalität aber nicht mehr Herr, sodass sie 1946 eine neue Bayerische Polizei aus der Taufe hoben. Gestern wurde in der Alten Kongresshalle in München Geburtstag gefeiert und auf 75 Jahre Polizeigeschichte zurückgeblickt.
Hunger, Flüchtlingsströme und allgemeine Not sorgten nach Kriegsende dafür, dass sich Banden bildeten, die bewaffnet Überfälle und Raubzüge begingen. Kapitalverbrechen konnten nicht verfolgt werden. Die US-Militärregierung ordnete an, dass „die Landespolizei sofort wieder aufgestellt werden muss“.
Gemeinden mit über 5000 Einwohnern konnten neben der Landpolizei eine eigene Polizei aufstellen. Daneben entstand die Grenzpolizei, das Landeserkennungsamt (später das Landeskriminalamt) und eine Landpolizeischule. Die Gemeindepolizei wurde aber später wieder aufgelöst.
Peter Reichl (65), Ex-Pressesprecher der Münchner Polizei, erinnert sich an seine Ausbildung Ende der 70er Jahre. „Die Ausbildung war teilweise noch militärisch geprägt. Wir haben mit dem Maschinengewehr geschossen, echte Handgranaten geworfen. Es ist unvorstellbar aus heutiger Sicht, dass man das mal gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt hätte.“ Die Polizeianwärter mussten Orientierungsmärsche machen, sind im Gleichschritt marschiert oder haben eine Stunde geübt, wie man Vorgesetzte grüßt. Heute sei das natürlich ganz anders – Reichls Kinder arbeiten auch bei der Polizei. „Die Ausbildung wurde immens professionalisiert. Die Sozialkompetenz wird neben der fachlichen Kompetenz ganz großgeschrieben“, sagt er. Es werde Wert auf Sicherheit gelegt, das Einsatzverhalten trainiert. Ein taktisch ausgearbeitetes Vorgehen anhand alltäglicher Fälle, wie es heute geübt werde, habe es damals so nicht gegeben.
Reichl lobt den psychologischen Dienst der Polizei, der entwickelt worden ist, um den Polizeibeamten in ihren schweren Stunden beizustehen. „Ich werde nie meinen ersten Toten vergessen, es war ein Verkehrsunfall. Als 21-Jähriger geht dir das nicht aus dem Kopf“, erinnert er sich. Die Aufarbeitung am nächsten Morgen bestand darin, mit Kollegen der Schicht darüber zu reden. „Heute gibt es professionellen Beistand. Ein Profi kann sagen, wie man den Schrecken überwindet.“ Dass jemand Polizisten geschubst oder geschlagen hat ohne Anlass, war früher fast nicht denkbar. Trotzdem: Für Reichl ist der Polizeiberuf auch heute noch eine wunderbare Aufgabe. „Ich bin fast jeden Tag gerne zur Arbeit gegangen.“