Eschenlohe – Es ist 0.15 Uhr am Sonntagmorgen, als Anton Kölbl den Pegel der Loisach an den verschiedenen Messstellen kontrolliert. Heutzutage geht das bequem von zu Hause aus über das Internet. Was der Bürgermeister von Eschenlohe (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) auf den Monitoren sieht, beruhigt ihn. Die Hochwasservorkehrungen werden ausreichen, um ein Übertreten des Loisachufers zu verhindern. Kölbl legt sich unbesorgt schlafen. Der Wasserpegel macht ihm keine Angst – das war nicht immer so.
Rund neun Millionen Euro flossen seit 2005, als der Ort von einer Hochwasserkatastrophe heimgesucht wurde, in den Schutz gegen die Wassermassen. Geld, das sich auszahlt, wie Kölbl betont: „Wir sind komplett schadlos davongekommen und hatten noch ausreichend Puffer nach oben.“ Bedeutet, dass der Wasserpegel an der Loisachbrücke noch rund 150 Zentimeter höher liegen hätte können als die am Sonntagmittag gemessenen 3,41 Meter – der höchste gemessene Wert seit der Katastrophe von 2005.
Welche verheerenden Konsequenzen fehlender Hochwasserschutz haben kann, zeigte sich in Eschenlohe in der Nacht des 22. Mai 1999. Die Nacht, die kein Zeitzeuge jemals vergessen wird. Die Bilder von damals haben sich eingebrannt. Meterhohe Wassermassen, Stromausfall und panisch in die Fluten rennende Tiere. In Eschenlohe herrschte eine Nacht lang das Chaos. Kölbl spricht rückblickend davon, dass Eschenlohe in dieser Nacht eine Fliege gewesen sei, die Loisach die Fliegenklatsche.
Der Feuerwehr-Kommandant drängt darauf, dass in Sachen Hochwasserschutz etwas getan wird – trotz kritischer Simmen, die ihm vorwerfen, er übertreibe. Der Damm wächst um weitere 1,10 Meter an, ein Teilerfolg. Im August 2005 ist allen klar: Kölbl hatte nicht übertrieben – im Gegenteil. Es kommt mehr Wasser als 1999, der Damm bricht. Zum zweiten Mal innerhalb von nur sechs Jahren versinkt Eschenlohe in den Fluten.
Seitdem hat sich jedoch einiges verändert. Nicht nur, dass Kölbl vom damaligen Feuerwehr-Kommandanten zum Bürgermeister wurde. In der von Katastrophen geplagten Gemeinde wurde bereits im Jahr nach dem Unglück 2005 mit dem Ausbau des Loisachdamms begonnen. Im Anschluss wurden auch die Nebenflüsse der Loisach – Eschenlaine, Urlaine sowie Mühlbach – weiter verbaut.
Die Maßnahmen zahlten sich aus, die Dämme hielten. Kölbl hofft, dass der ein oder andere Mitbürger den Hochwasserschutz nun anders wahrnimmt als zuvor: „Wir müssen immer um die Gelder kämpfen und werden teilweise angegiftet. Aber man hat ja jetzt gesehen, dass es sich rentiert.“ Bis auf einige Keller, in denen das Wasser am Sonntag stand, blieb Eschenlohe verschont von größeren Schäden. Kölbl betont aber auch: „Wenn bei uns so viel Niederschlag wie in NRW und Rheinland-Pfalz gekommen wäre, hätten unsere Schutzmaßnahmen nicht mehr ausgereicht.“ Dann sei es einzig und allein darum gegangen, wann die Bevölkerung hätte evakuiert werden müssen.