Schlamm in der Klamm

von Redaktion

VON KILIAN PFEIFFER UND DOMINIK GÖTTLER

Berchtesgaden/Garmisch-Partenkirchen – Das Hotel Grünberger liegt direkt an der Berchtesgadener Ache. Als das Wasser am Samstag auf einen Rekordwert von 3,81 Meter anschwoll, zweieinhalb Meter höher als normal, war die Liegewiese vor dem Haus überflutet. „Unsere Gäste im Haus waren nie in Gefahr“, sagt Direktionsassistentin Silke Heckenberger. Trotzdem packte die Urlauber die Angst. „Sie warfen die Zimmerschlüssel über den Tresen, knallten das Geld hin“, sagt Heckenberger. Noch am späten Abend reisten sie ab. „Im Hinterkopf hatten sie die Bilder aus Nordrhein-Westfalen.“ Einige kamen nicht weit: Denn Berchtesgaden war wegen Murenabgängen und überschwemmter Straßen zeitweise abgeschnitten. „Einige riefen später wieder an, wollten zurück.“ Weil sie die Nacht nicht im Auto verbringen wollten.

Ein katastrophaler Tag sei das gewesen, sagt die Hotelchefin. Noch am selben Abend klingelte das Telefon in Dauerschleife. Absagen über Absagen. „So was habe ich noch nie erlebt.“ 40 Prozent der Buchungen für Juli, August und September fielen weg. „Die Leute hatten Angst, weil der Landrat dazu geraten hatte, nicht mit dem Auto zu fahren.“ Einige Gäste reisten an den Folgetagen, trotz Buchung, erst gar nicht an.

Dabei sei es aktuell gar kein Problem, in Berchtesgaden Urlaub zu machen. „Mit NRW ist das hier nicht vergleichbar“, sagt Heckenberger. Auch der örtliche Tourismus-Zweckverband betont: Besucher müssten keine Angst haben. Die Sturzflut sei für die betroffenen Anwohner dramatisch. Aber für Urlauber sei die jetzige Situation harmlos. Einige Straßen und Klammen seien gesperrt. Ansonsten stehe dem Urlaub im Berchtesgadener Land nichts im Weg.

Im Nationalpark Berchtesgaden waren die Ranger und Waldarbeiter in den vergangenen Tagen im Dauereinsatz. „Wir waren mit Mann und Maus auf sämtlichen Hauptwegen unterwegs“, sagt Nationalparksprecherin Carolin Scheiter. Mittlerweile sei ein Großteil der mehr als 280 Kilometer an Wanderwegen und Steigen wieder begehbar. Nur etwa der Hochbahnweg vom Parkplatz Königssee zur Königsbachalm bleibe noch bis Freitagnachmittag gesperrt. Und zwei Steige habe es übler erwischt. Der Nationalpark aktualisiert die Informationen über gesperrte Wege laufend auf seiner Internetseite. Es spreche also nichts gegen einen Wanderausflug. „Man sollte nur etwas aufpassen und trittsicher sein, wenn man auf dem Weg mal über einen Baumstamm steigen muss“, sagt Scheiter.

Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen kam bei dem Starkregen glimpflich davon. Die Schäden halten sich in Grenzen. Vorsicht gilt aber bei der Planung von Wandertouren: Denn die Partnachklamm bleibt weiterhin teilweise gesperrt, nachdem dort eine Flutwelle aus Wasser, Schlamm und Schwemmholz Schäden im fünfstelligen Bereich angerichtet hat. Nach Auskunft der Marktgemeinde soll die Klamm zumindest bis zum Partnachfall so schnell wie möglich wieder freigeräumt werden. Der Weg von der Kaiserschmarrn-Alm zum Südportal, von wo es dann weiter in Richtung Schachen oder ins Reintal geht, bleibt aber wohl für längere Zeit dicht. Dort wurde der Weg großflächig von den Wassermassen weggerissen. Der Weg vom alten Kassenhaus in Richtung Eiserne Brücke ist uneingeschränkt begehbar. Ansonsten sind die Wanderwege bei Garmisch-Partenkirchen weitgehend verschont geblieben, sagt Gemeindesprecherin Silvia Käufer-Schropp.

In Schönau im Berchtesgadener Land war unterdessen auch das Traditionshotel „Königssee“, direkt am See betroffen. Selbst Tage nach dem Starkregen fließt dort das Wasser wegen eines mit Geröll verstopften Bachbettes noch unkontrolliert am Haus vorbei. Auf telefonische Nachfrage reagiert der Anrufbeantworter: „Leider sind wir telefonisch momentan nicht erreichbar“. Kontaktaufnahme: nur per E-Mail.

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