Bischofswiesen – Zwölf Hektar Futterwiese sind nun ein Geröllfeld: „Es ist ein Millionenschaden“, sagt Franz Angerer, dessen Familie in Bischofswiesen im Berchtesgadener Land eine Landwirtschaft betreibt. Der Weiherbach hat sich am Samstag zum reißenden Fluss entwickelt. Felder wurden unter hunderten Kubikmetern Fels und Schutt begraben, Fischweiher mit etlichen Forellen zubetoniert.
Ein Hilferuf über Instagram rief 150 freiwillige Unterstützer auf den Plan. Franz Angerer wischt durch sein Smartphone. Dort hat er die Bilder vom Wochenende, als plötzlich das Wasser vom Berg kam. „Es war wie eine Explosion“, erinnert sich Angerer. Auch sein Bruder war gerade im Bulldog unterwegs, als der Schwall Wasser sich seinen Weg bahnte in Richtung Hof. „Lauf um dein Leben“, schrie der Bruder noch. Aus dem Bulldog kam er nicht mehr raus, wurde von Geröll und Schlamm erfasst und samt Fahrzeug nach unten getragen. Niemand kam dabei zu Schaden. „Gott sei Dank. Das ist die Hauptsache“, sagt der 23-Jährige.
Doch die Schäden, die die Naturgewalt hinterlassen hat, sind enorm. „Wie ein Schlachtfeld sah es hier aus“, sagt auch Bischofswiesens Bürgermeister Thomas Weber, der sich ein Bild vom Hof und den umliegenden Feldern gemacht hat. Das Wasser stand weit über einen Meter hoch im Stall. Die Futtermittel für die Tiere: alle nass und verschlammt – nicht mehr zum Verfüttern geeignet. Die Mure, die vom Berg hinter dem Hof gekommen war, ergoss sich weit in die Felder hinein, vorbei am Stall. Das denkmalgeschützte Haus am Hof ist zerstört, die Hausecke bis unter das Dach herausgebrochen.
Franz Angerer ist dankbar für die Hilfsbereitschaft, die die Familie bereits am Wochenende erlebt hatte. Sein Hilferuf im Netz zeigte Wirkung. „Am nächsten Tag waren 150 Helfer da, die uns unterstützen wollten“, sagt Angerer. Nachbarn, Freunde und Bekannte eilten heran, alle mit Schaufeln bewaffnet, aber auch Fremde, die einfach mit anpacken wollten. „Die Unterstützung war unvorstellbar groß.“ Dreck schaufeln, Wasser pumpen, all jenes schützen, was noch zu schützen war: „Ich bin wirklich dankbar“, sagt Angerer, während er vor einem von Fels und Schutt bedeckten Areal steht.
Auch der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, Walter Heidl, hat sich ein Bild vom enormen Schaden gemacht, sagt: „Die Familie braucht nun Unterstützung, um den Schaden zu beheben.“ Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) hat ebenfalls Unterstützung angekündigt. „Wir müssen der Familie Angerer helfen“, sagt sie. Der Bauernverband hat ein Spendenkonto eingerichtet.
Auch im Landkreis Weilheim-Schongau haben sich bereits einige Landwirte an der Hilfsaktion für betroffene Bauern im Berchtesgadener Land beteiligt und 100 Siloballen zugesagt – zum Beispiel für einen Landwirt, dessen Fahrsilos zwei Meter hoch mit Kies zugeschüttet wurden. „Das ist eine tolle Aktion“, sagt Georg Baumgartner, Kreisobmann im Berchtesgadener Land. 200 weitere Siloballen stellen die örtlichen Bauern für ihre Kollegen zur Verfügung.
Auch Franz Angerer ist überwältigt von all der Hilfe, die seiner Familie zuteilgeworden ist. Bedankt hat er sich schon ausführlich – natürlich über Instagram. kp/bo