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Der Großelterntag – am Sonntag feiern wir Oma und Opa

von Redaktion

VON CAROLIN REIBER

Tag der Hängematte, Tag des Hotdogs, Tag des Meerschweinchens – ja, die Reihe bundesweiter Ehren- und Aktionstage ist schier unendlich und ebenso absurd. Wenn auf dem Kalender allerdings „Tag der Großeltern“ steht, finde ich das großartig. Der Papst hat aufgerufen, ihn an jedem vierten Sonntag im Juli zu feiern. Bei der Begegnung mit Jugendlichen im Mailänder Meazza-San-Siro-Stadion widmete sich Franziskus leidenschaftlich diesem Thema – und nahm die jungen Menschen sprichwörtlich ins Gebet: „Versprecht mir, dass ihr euren Großeltern zuhört, mit ihnen redet. Ihr könnt von ihnen lernen, denn sie besitzen Lebensweisheit!“

In Bayern waren wir natürlich schon 2019 der Meinung, dass es einen „Großelterntag“ geben muss. Ministerpräsident Markus Söder rief ihn per Kabinettsbeschluss aus. Eigentlich können wir jetzt also gleich zweimal Oma und Opa hochleben lassen: am Sonntag und am 13. Oktober.

Dass viele Familien ohne die Unterstützung der Großeltern gar nicht funktionieren würden, hat nicht erst Corona gezeigt. Laut Umfrage betreuen rund sechs Millionen Großeltern regelmäßig ihre Enkel. Wie bedeutend der enge Kontakt zwischen der jungen und der alten Generation ist, beweisen unzählige Studien: Großeltern vermitteln Geborgenheit, sie sind eine Konstante, egal, was passiert. Natürlich wird so manche Regel außer Kraft gesetzt, man darf länger aufbleiben, muss nicht alles essen, was auf den Tisch kommt, sondern kann sich sein Lieblingsgericht wünschen und eine doppelte Portion Eis mit Sahne gibt’s noch obendrauf.

Aber es geht nicht wirklich ums Verwöhnen, sondern um Vertrauen und eine Extra-Ration Liebe. Dieser Tage entdeckte ich ein lustiges T-Shirt mit dem Aufdruck: „Wenn Mama und Papa nicht spuren, dann ruf Oma an!“ Großeltern sind Geheimnisträger, sie wissen vom ersten heimlichen Kuss mit einem Schulkameraden, trösten bei einer schlechten Note, erfüllen Herzenswünsche. „Gesponsert by Oma“ – nicht selten entdeckt man dieses kleine Schild auf der Heckscheibe eines Kleinwagens.

Enkel auf ihrem Weg zu begleiten – es macht glücklich. Und so das Ergebnis einer langen Studie der Boston-Universität sogar gesünder. Denn der Nachwuchs bringt Leben in die Bude und hält jung. Oft habe ich mir aufgeschrieben, was ungefiltert aus dem Kindermund kam, einfach, weil es zu köstlich war, um es zu vergessen.

Als ich einer Enkelin bei den Schulaufgaben half, seufzte sie tief. „Fühlst du dich nicht wohl?“, fragte ich besorgt. Magdalena antwortete: „Oh mei, Omi, in die Schule soll ich gehen, Hausaufgaben machen, mein Zimmer aufräumen, also a bisserl was will ich auch schon vom Leben haben.“ Nebenbei sei erwähnt, dass sie, wahrscheinlich aufgrund meiner verwirrenden Hilfe, für die Mathematikaufgabe eine Fünf erhielt. Ich sagte: „Eins und eins ist zwei.“ Aber sie sagte: „Stimmt nicht. Eins plus eins ist zwei.“

Geschichten aus der eigenen Kindheit – ich glaube, alle Enkel lieben sie und lauschen mit großen Augen. Die Erkenntnis, dass eine Lebensweisheit wie eine Überschrift über ganze Jahrzehnte stehen kann, folgt meistens erst viel später. Ich persönlich habe mein Lebensmotto von meiner Großmutter. Sie war ein Operetten-Fan und die „Fledermaus“ hatte es ihr besonders angetan. „Glücklich ist, wer vergisst, was nicht zu ändern ist.“ Ich habe ihre Stimme noch im Ohr.

„Aber meine Großeltern sind schon so alt“, sagte ein Kind bei dem Gespräch mit dem Papst. „Alt? Nein, sie haben einfach schon länger gelebt“, war die Antwort von Papst Franziskus. Und die Senioren sind auch ganz schön auf Zack. Wenn mich meine Mutter besuchen wollte, war es mir ein Bedürfnis, sie abzuholen. Zu anstrengend in der überfüllten Tram. Sie hat immer abgelehnt. „Das Muss ist eine Gnade. Außerdem klopfe ich einem jungen Burschen immer einfach kurz auf die Schulter und frage freundlich: „Darf ich Ihnen meinen Stehplatz anbieten?“ Überflüssig zu erwähnen, dass sie nie stehen musste.

Wer keine eigenen Enkel hat, kann sich welche „borgen“. Auch Ersatz-Omis und Opis stehen hoch im Kurs. Ich bin jedenfalls fest entschlossen, den Sonntag als wertvolles Bindeglied zwischen den Generationen zu genießen. Ich habe noch so manche Lebensweisheit auf Lager….

In diesem Sinn –

herzlich

Ihre Carolin

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