Hilpoldstein – Sie fliegen, krabbeln und summen, wo es Natur und Nahrung gibt: Doch in Zeiten von Flächenfraß, englischem Rasen und Unkrautvernichtungsmitteln haben es Insekten in Bayern nicht leicht. Welche Arten gibt es denn noch? Und wo? Ab Freitag darf wieder gezählt werden!
Bei der zehntägigen Zähl-Aktion des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) soll auch das „Grüne Heupferd“ Aufmerksamkeit bekommen. Im Prinzip ist dieses auffällige Insekt ein Morgenmuffel. Die Männchen fangen am Nachmittag an zu singen – und dann bis in die Nacht. Ihre Art ist mit bis zu vier Zentimetern Körperlänge die größte unter den Heuschrecken und ist das Lieblingsinsekt von Angelika Nelson (45). „Ihr Kopf erinnert an ein Pferd, sie fressen keine Pflanzen, nur andere Insekten“, erklärt die Biologin, die am LBV-Umweltzentrum für Mensch und Natur im Landkreis Cham arbeitet. Sie hofft, dass viele Beobachter die kleinen Weitspringer auf Wiesen und Äckern, aber auch auf Sträuchern und Bäumen entdecken und dem LBV online melden.
Während es allein schon etwa 70 verschiedene Heuschrecken gibt, geht man in Deutschland allgemein von mehr als 30 000 Insekten-Arten aus. Auf ein paar von ihnen richtet der LBV nun sein Augenmerk. Neben dem Heupferd sollen die Beobachter vor allem die Ackerhummel, die Blaue Holzbiene, die Blaugrüne Mosaikjungfer und die Streifenwanze zählen sowie die Schmetterlinge Kleiner Fluchs und Schwalbenschwanz.
Allgemein gilt laut Angelika Nelson: „Man darf alles melden, was sechs Beine hat.“ Wichtig sei es, dass möglichst viele Teilnehmer mitmachen. Im Juni waren es 522, die 3900 Beobachtungen aufgeschrieben haben. Am häufigsten tauchte dabei der asiatische Marienkäfer auf, gefolgt von der Steinhummel und der Hainschwebfliege. Auf Platz 7 landete der Sieben-Punkt-Marienkäfer. Jetzt lautet die Entdeckungsfrage: Wie viele Siebenpunkt-Marienkäfer und wie viele Asiatische Marienkäfer werden gezählt?
Die Zähl-Aktion des LBV soll darauf aufmerksam machen, dass Lebensräume der Insekten verschwinden. „Das hängt mit Veränderungen in unserem Ökosystem zusammen“, erläutert die Biologin. Sie wünscht sich, dass die Menschen mit einfachen Mitteln einen Beitrag leisten: „Jeder Gartenbesitzer könnte zum Beispiel eine wilde Ecke stehen lassen, wo Brennnesseln und Unkraut wuchern.“ Man könnte Lavendel und Johanniskraut pflanzen, Margariten und Spitzwegerich wachsen lassen. „Leider wird vieles gemäht, bevor es blühen kann“, bedauert die Umweltschützerin. Je natürlicher die Gärten, umso mehr Freude habe man im Sommer an Schmetterlingen aller Art. Ihr Appell: „Haben Sie keine Scheu! Machen Sie einfach mit!“ CORINNA KATTENBECK
Meldeformular
Unter www.lbv.de gibt es einen Link zum „Insektensommer“. Dort werden acht Insekten mit Foto und Beschreibung näher vorgestellt. Gezählt werden kann ab Freitag jeweils eine Stunde lang im Umkreis von etwa zehn Metern. Die aufgelisteten Insekten können mit Tag, Ort und Uhrzeit ins zugehörige Meldeformular eingegeben werden. Dieses ist von 6. bis 15. August freigeschaltet.