Schöffelding – Den Moment, als die Kälber zum ersten Mal auf die Weide stürmten, wird Peter Kaindl so schnell nicht vergessen. „Sie sind umeinandergehüpft und haben sich richtig ausgetobt. Es war eine wahre Freude“, sagt der 58-jährige Landwirt aus Schöffelding im Kreis Landsberg am Lech. Ein bis zwei Stunden frische Luft schnupperten seine Tiere in den vergangenen Monaten meist, bevor sie sich wieder aufs Stroh im Laufstall zurückzogen und dabei gerne auch mal alle vier Beine von sich streckten. „Jetzt, wo die Hitze etwas nachgelassen hat, bleiben sie auch länger draußen.“
Mit ihrem Stall, in dem männliche und weibliche Kälber gemeinsam auf Stroh in Gruppen aufwachsen und Tag und Nacht Zugang zur Weide haben, hat die Familie Kaindl offensichtlich nicht nur ihre Tiere überzeugt, sondern auch die Jury des vom bayerischen Landwirtschaftsministerium vergebenen Tierwohlpreises. Sie landeten auf dem zweiten Platz, der mit einem Preisgeld von 3000 Euro dotiert ist. Ausgezeichnet werden dabei seit dem Jahr 2014 Betriebe, die mit ihren Ställen in Sachen Tierwohl Vorbildcharakter haben. „Damit wollen wir allen Tierhaltern zeigen, dass oft schon kleine bauliche, technische oder organisatorische Änderungen viel bewirken können“, sagte Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) gestern bei der Verleihung. Die fand auf dem Betrieb der Familie Rotenbauer im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen statt, die für ihre muttergebundene Kälberaufzucht den ersten Preis bekam.
Auf dem Hof von Familie Kaindl war es der Junior, er heißt ebenfalls Peter und ist heute 27 Jahre alt, der von einer Neuseelandreise zurückkam und sagte: „Die Kälber müssen raus.“ Mittlerweile wachsen in dem Stall sogar männliche Kälber auf, die später beim Metzger im nächsten Dorf als Weideochsenfleisch vermarktet werden sollen. „Groß und klein harmonieren wunderbar zusammen im Stall“, sagt Peter Kaindl senior. Für ihn ist es eine große Genugtuung, wenn er beobachtet, wie wohl sich die Tiere fühlen. „Man merkt das, wenn man ihnen in die Augen schaut. Und der alte Spruch stimmt eben“, sagt er. „Geht’s den Tieren gut, geht’s auch dem Bauern gut.“
Natürlich kostet jede Neuerung im Stall Geld. „Aber das ist es uns wert“, sagt Peter Kaindl. „Auf lange Sicht kommt das wieder zurück.“ Die jüngsten Umbauten am Stall hätten sie ohne staatliche Förderung realisiert, sagt er. „Wir haben viel selber gebaut mit unserem eigenen Holz.“ Und die Umstellung im Kälberstall soll erst der Anfang sein. Denn im Laufstall nebenan befinden sich die 90 Milchkühe der Familie. Das Ziel: Auch sie sollen in Zukunft wieder auf die Weide dürfen. Wenn es so weit ist, wird Kaindl einen weiteren Moment haben, den er so schnell nicht mehr vergisst.