Jede Woche beantwortet ein Oberbayer Fragen rund um seine Heimat. Siegfried Sperber, 83, lebt fast schon sein ganzes Leben in Kolbermoor im Landkreis Rosenheim am Alpenrand. In seiner Freizeit beschäftigt sich der Rentner gerne mit der bairischen Mundart. Zu diesem Thema hat er bereits mehrere Bücher und Gedichte geschrieben. Einen seiner Vorträge drucken wir heute auszugsweise unter dem Interview ab. Aber erst einmal wollen wir Herrn Sperber kennenlernen.
Herr Sperber, was schätzen Sie an Kolbermoor?
An der Mangfall entlang gibt es bei uns immer wieder schöne Ausblicke auf die Berge, wie etwa auf den Wendelstein oder den Wilden Kaiser. Das hat uns ein wenig leichter durch die Corona-Zeit gebracht, weil wir hinausgehen konnten und diese schöne Aussicht haben. Wenn ich da an eine Familie mit drei Kindern im vierten Stock in der Stadt denke, das ist ja der Wahnsinn.
Was für Sehenswürdigkeiten hat Kolbermoor?
Wir sind eine der wenigen Städte mit einem König-Ludwig-Denkmal. Das ist aber leider durch einen Sturm umgefallen und zerbrochen. Gerade wird es wieder hergerichtet. Ich glaube, in etwa einem Jahr kann es wieder besichtigt werden. Aber auch das neue große Einkaufszentrum ist toll.
Sprechen alle Menschen in Kolbermoor Bairisch?
Das ist sehr gemischt. Wir draußen unter uns reden alle Mundart. Aber leider geht bereits im Schulalter die Mundart vielfach verloren. Welche Kindergärtnerin kann denn heute noch Bairisch und spricht auch noch so mit den Kindern? Aber es kommt auch sehr auf die Eltern an.
Denken Sie, die Mundart stirbt aus?
Ja, da habe ich Angst davor. Schauen Sie nur einmal, wer in München noch Bairisch redet. Da wird es nicht mehr viele geben.
Was ist für Sie am Bairischen so besonders?
Zunächst einmal ist es eine Mundart und kein Dialekt. Das verstehen viele falsch. Auch heißt es nicht „Hochdeutsch“, sondern „Schriftdeutsch“. Wenn man mit der bairischen Mundart aufgewachsen ist, dann prägt das einen und verschafft einem ein besonderes, gutes Lebensgefühl. Das Motto dabei ist: Leben und leben lassen.
Welche Fehler bemerken Sie sonst noch?
Vor allem die unnötige Verwendung des Apostrophs. Zum Beispiel lese ich oft „o’zapft is“. Das geht gar nicht. Das wurde falsch aus dem Schriftdeutschen übernommen. Richtig muss es „ozapft is“ heißen.
Interview: Raffael Scherer