Mia gfoit unsa Kultur und Sprach

von Redaktion

Auszugsweise stellen wir einen Vortrag von Siegfried Sperber vor

Warum red und schreib i Boarisch? I bi z Rosenheim-Fürstätt auf d Wejd kema – in da Gärtnerei Prentl. Damois, 1937 wars oft no aso, dass Kinder mit Huif vo ana Hebamm dahoam auf d Wejd kema san. Wia i 14 Jahr oid war, san mia nach Kolbermoor umzong. Kolbermoor, heid a Stood mit knabb 20 000 Einwohner. Mei Boarisch is deswegn stadtmundartlich.

Wo ma herkimt, des prägt an Menschn und des guit natürli genau aso aa (auch mit zwoa aa gschriem und gedehnt gschbrocha) fia olle anderen, ganz gleich wos herkeman. A Mensch, der am Meer aufgwachsn is, hod ganz a andane Einstellung zum Lebn ois oana vom Gebirg.

Mia gfoit unsa Kultur, de Lebnsweis und Sprach, und i mecht mit meine Versaln an kloana Beitrog leistn, dass ma an der boarischn Sprach a Freid hod und dass Bairisch ned ganz ausstirbt.

De Bayern wean vo andre ois bsondas Voik ogschaugt. Do is aa wos dro. A Spruch der Bayern is: „mia san mia“. Alloa de vuin Sprich machan de Sprach zu dem, wos sie is. Leider geht davo, wenns oft aa krachat is, oiwei meara valorn. Sagt da Bayer: „Du bist a Hund – a vareckter“, is des ned abfällig gmoant, sondern eher anerkennend. Krachats gibts aa im Schriftdeitschn. Jeder kennt den Spruch: „Warum rülpset und furzet ihr nicht, hat es euch nicht geschmacket“? Da Luther wia aa da Goethe und bsondas da Mozart ham so derbe Sprich ogwendt. Des war zu dera Zeit normal und es is im Bairischen diam heid no aso, aa wenn im Schriftdeitschn höflicher formuliert wead.

Bairisch wead normalerweis so gschriem, wia mas spricht, oiso so, wia mas redt. Und des is regional recht unterschiedlich. In vui Wörtern wead im Bairischn s „e“ ausglassn und es wean Wörter gekürzt. In der schriftdeutschen Schreibweis setzt ma fia den fehlenden Buchstaben a Auslassungszeichen, so an Apostroph. In der bairischen Schrift Auslassungszeichen dafia setzn, is fia mei Dafiahoitn foisch.

Bairisch is a eigene Sprach und koa Mundart ausm Deutschen! Ganz unmöglich iss, wenn ma z.B. „ozapft is“ mit am Apostroph wia „o’zapft is“ schreibt, oder gelegen mit zwoa Auslassungszeichen wia g’leg’n.

Da Bayer sogt und schreibt fia ich „i“, sich „si“, dich „di“, „ch“ hod er ned so gern. Laut Johann Rottmeir in dem Buach iwa bairische Sprich „A Hund bist fei scho“ wead aber „i“ nur am Anfang von am Satz gsogt, mittn im Satz weads zu „e“. Beispui: „Di hat d Sunna gscheit dawischt“ und „D Sunna hat de gscheit dawischt. Bairische Sprich gibts zu alle Lebenslagen iwa Gott und de Wejd und bsondas zu de Fest- und Feierdog.

A Eigenheit der bairischen Sprach is aa de doppelte, ja sogar dreifache Verneinung. Zum Beispui des Wort ned fia nicht: ned, nix ned, garn nix ned, gar nia nix ned. Und woss nur im Bairischn gibt is des Wort „fei“. In dem Buach, „A Hund bist fei scho“, wead des Wörterl fei so beschriebn: Je nachdem kons ois reine Verstärkung von ana Aussage daherkema oder ois Hinweis, ois Bitte, Betonung, Drohung, Verbot oder Respektskundgebung.

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