Klinik entsorgt Gebiss, Rentner klagt

von Redaktion

Nürnberg – Während ein 67-jähriger Rentner operiert wurde, hat das Nürnberger Martha-Maria-Krankenhaus die Zahnprothese des Mannes entsorgt. Ein halbes Jahr musste Siegfried W. ohne Zähne auskommen, weitere sechs Monate dauerte es, bis er Schadenersatz zugesprochen bekam.

„Das war unmenschlich, wie die mich verwahrlosen ließen“, sagt er. Seine Prothese hatte er im Sommer 2020 herausnehmen müssen, bevor es in den OP ging. „Ich dachte, die zahlen einfach meine Zähne und damit ist gut – aber niemand rührte sich.“

Mit Kartoffelbrei und Suppe hielt sich der Nürnberger über Wasser. Aber noch schlimmer war die Scham – W. arbeitete als Antiquitätenhändler. „Ich habe am liebsten den Mund gar nicht mehr aufgemacht. Jedem Kunden musste ich erklären, dass es nicht meine Schuld ist, dass ich wie ein Penner aussehe.“ Das Krankenhaus verwies ihn an die Versicherung, die wiederum schickte W. zu seiner eigenen Krankenversicherung – die aber nicht zahlen wollte, da das Gebiss erst ein Jahr alt ist. Nun entschied das Nürnberger Amtsgericht: Siegfried W. bekommt 1393,50 Euro zurück, die er für eine neue Prothese auslegen musste und zusätzlich 500 Euro Schmerzensgeld.

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