München – Immer wieder gewinnen Lottospieler Millionen – und wissen offenbar gar nichts von ihrem Glück. Warum sonst sollten in Bayern mehrere Lottogewinne in Millionenhöhe noch auf ihre Besitzer warten?
In Schwaben etwa liegt seit Ende 2019 der Hauptgewinn der „BayernMillionen“ für den Gewinner bereit. Damals wurde diese Lotterie erstmals veranstaltet, und das Los mit der Nummer 0426492 zog gleich den Hauptgewinn: eine Million Euro. Bekannt ist nur, dass der Spielschein am 21. Dezember 2019 um 11.30 Uhr in einer Annahmestelle im Raum Memmingen abgegeben wurde – doch seitdem ist der Schein samt Besitzer verschollen.
Zwischendurch hatte die Lottozentrale gar eine Art Fahndungsaktion gestartet, um den Gewinner zu finden: „Wir haben Plakate drucken lassen, um darauf hinzuweisen, dass noch was abzuholen ist“, erzählt Lotto-Sprecher Rainer Holmer. Doch ohne Erfolg: „Wir suchen immer noch.“ Wegen des Spieldatums wird vermutet, dass das Los vielleicht an Heiligabend 2019 unter irgendeinem Christbaum lag, und danach keine weitere Aufmerksamkeit erhielt.
Nun bleibt noch bis 31. Dezember 2023 Zeit, die Million zu holen. Falls nicht, wandert die verfallene Summe in den Topf von neuen Sonderauslosungen. Oder der bayerische Finanzminister freut sich über eine Geldspritze, die für gemeinnützige Zwecke verwendet werden kann.
Auch in Mittelfranken warten seit einigen Wochen über eine Million Euro auf ihren Besitzer. Für 8,55 Euro Einsatz wurde am 17. Juli der 6aus49-Schein mit vier Tippfeldern plus Zusatzlotterien gespielt; mit einer Gewinnsumme von 1,14 Millionen Euro.
In Oberbayern wurden zuletzt am 28. Juli beim Mittwochslotto 1,26 Millionen mit sechs Richtigen gewonnen – doch in den Tagen danach meldete sich auch hier niemand. Vielleicht wollte die Mitspielerin oder der Mitspieler auch noch abwarten: Der Schein war nicht nur für die eine Ziehung gültig.
Lottosprecher Holmer erklärt allerdings, dass es immer wieder mal vorkommt, dass die Spieler ihre Zahlen selbst gar nicht kontrollieren und erst im Geschäft nachfragen, ob ein Gewinn auf dem Schein ist. So erging es einer 45-jährigen Frau aus Unterfranken: Sie kümmerte sich eineinhalb Monate nicht um ihren Spielschein und ahnte daher gar nichts von ihrem Glück. Erst als sie ihn vor Kurzem zur Lottostelle trug, und zwar nur, um wieder zu spielen, erfuhr sie, dass die Lottogesellschaft ihr nun 32 842 219,80 Euro überweisen wird. Sie hatte einen der höchsten jemals in Bayern erzielten Gewinne abgeräumt. „Beim Gedanken, sorglos über mehrere Wochen fast 33 Millionen Euro im Geldbeutel herumgetragen zu haben, wird mir noch immer ganz schwindelig“, sagte sie dazu im Nachhinein. Ehemann und Tochter werden ihr da aufatmend zustimmen. Denn es gab auch schon Millionengewinne, die erst in letzter Sekunde aus der Altpapiertonne hervorgewühlt wurden. Die Lottogesellschaften empfehlen daher die Kundenkarte. Dann werden alle Beträge automatisch aufs Konto überwiesen.
Solche Probleme kennen andere Lotteriegesellschaften nicht. Bei der Süddeutschen Klassenlotterie etwa werden alle Mitspieler gleich zu Beginn erfasst, die Gewinnersuche fällt damit aus, erklärt eine Sprecherin: „Es gibt niemanden mehr, der nicht ermittelt wird.“ dpa